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12.03.2014

Typ-1-Diabetes: Netzwerk von Darmbakterien beeinflusst möglicherweise Autoimmunprozess

Das Zusammenspiel der Darmkeime von Kindern mit Diabetes-typischen Autoantikörpern unterscheidet sich von dem gesunder Kinder. Diese Unterschiede bestehen bereits, bevor Antikörper im Blut nachweisbar sind. Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass bakterielles Erbgut, das sogenannte Mikrobiom, möglicherweise an der Entstehung von Autoimmunprozessen beteiligt ist. Dies berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in der Fachzeitschrift ‚Diabetes‘.

V.l.: PD Dr. Wolfgang zu Castell; Dr. David Endesfelder ©Helmholtz Zentrum München

Im Rahmen der BABYDIET-Studie verglichen die Wissenschaftler die Zusammensetzung und Interaktion der Darmflora bei Kindern, die später Diabetes-spezifische Autoantikörper im Blut entwickelten, mit Daten von Kindern ohne Autoantikörper. Die BABYDIET-Studie untersucht den Einfluss von Ernährungsfaktoren auf das Diabetesrisiko.

Ähnliche Keime – verschiedene Interaktionen
Dabei stellte das Team um PD Dr. Peter Achenbach und Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung sowie Dr. David Endesfelder und PD Dr. Wolfgang zu Castell von der Abteilung Scientific Computing am Helmholtz Zentrum München fest, dass sich die Diversität und Zahl der Darmkeime in beiden Kollektiven ähneln. Die Interaktionsnetzwerke der Darmkeime dagegen unterschieden sich in den beiden Gruppen deutlich – und zwar schon in den ersten Lebensjahren, Monate bis Jahre, bevor die eine Gruppe Diabetes-typische Autoantikörper entwickelte.
Keimbesiedelungen bilden das sogenannte Mikrobiom: Erbinformationen der Keime beeinflussen dabei den Wirtsorganismus. Bereits seit längerem wird das Mikrobiom mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, insbesondere das Darmmikrobiom soll an der Entstehung von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes beteiligt sein. Die Ergebnisse der Wissenschaftler weisen darauf hin, dass nicht allein die Komposition der Bakterien, sondern ihr Zusammenwirken in funktionellen Gemeinschaften auf das Immunsystem einwirken könnte.

Wie wird das Mikrobiom beeinflusst?
„Eine Reihe externer Faktoren, wie Ernährung, Hygiene oder gar der Geburtsmodus, können sowohl die Zusammensetzung als auch die Interaktion der Darmbakterien beeinflussen“, erklärt Studienleiterin Ziegler. „Wenn wir diejenigen Parameter identifizieren, die zu eher negativen Mikrobiomeigenschaften führen, können wir neue Präventionsansätze gegenüber Autoimmunprozessen, z.B. beim Typ-1-Diabetes entwickeln.“

Weitere Informationen
Weitere Informationen zu Diabetes-Studien am Helmholtz Zentrum München/ Technische Universität München finden Sie unter: www.diabetes-studien.de

Original-Publikation:
Endesfelder, D. et al. (2014): Compromised gut microbiota networks in children with anti-islet cell autoimmunity, Diabetes, published ahead of print March 7, 2014, doi:10.2337/db13-1676 1939-327X

Link zur Fachpublikation