News

13.01.2015

Hoher Beratungsbedarf zu Diabetes

Jeden Tag erkranken fast 1.000 Menschen an Diabetes, in Deutschland sind es insgesamt über sechs Millionen Betroffene. Die meisten leiden am Typ-2-Diabetes, der nicht autoimmunen Form. Problem: Diabetes Typ 2 wird im Schnitt acht bis zehn Jahre zu spät diagnostiziert. Doch woran kann man die Erkrankung eigentlich erkennen? Ist die Gabe von Insulin immer erforderlich? Welche Spätfolgen gibt es und wie können diese vermieden werden? Wie kann ich mein Kind mit Typ-1-Diabetes im Alltag am besten unterstützen? Diese und andere Fragen beantworteten am 11. November Diabetes-Experten von den Universitäten und Diabetesforschungszentren in Dresden, Düsseldorf, Gießen, Hannover, Leipzig, München, Tübingen und Ulm.

©fotolia

Veranstaltet wurde die Aktion vom Kompetenznetz Diabetes mellitus gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V.. Hier eine Auswahl von vielen Fragen:

Bei mir wurde vor kurzem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Was muss ich im Alltag mit der Diagnose beachten, um ein "ganz normales" Leben führen zu können?
Oftmals ist eine Lebensstiländerung von Nöten. Eine Gewichtsreduktion und regelmäßiger Sport können in manchen Fällen den Blutzucker wieder normalisieren. Zumindest verbessert dies meist die Blutzuckereinstellung. Auch die Ernährungsgewohnheiten müssen überdacht und gegebenenfalls an die neue Situation angepasst werden. Schließlich hängt beides zusammen: Nur durch eine Umstellung der Ernährung, insbesondere durch eine Reduktion der Kalorienmenge sowie eine Steigerung der Bewegung, gelingt in der Regel die Gewichtsabnahme. Für die Reduktion des Diabetesrisikos steht die Gewichtsabnahme in jedem Fall im Vordergrund. Zur Optimierung des parallel oft ebenfalls gestörten Fettstoffwechsels ist aber durchaus die Art der Ernährung von besonderer Bedeutung.

Wie merke ich, ob ich Diabetes habe? Gibt es Anzeichen?
In der Tat gibt es Warnsignale, die eine Abklärung durch einen Arzt erforderlich machen. Dazu gehören häufiges Wasserlassen, starke Durstgefühle und trockene oder juckende Haut sowie Müdigkeit. In manchen Fällen kommt es auch zum Gewichtsverlust, zu Wundheilungsstörungen und zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.
Um ein erhöhtes Diabetes-Risiko bereits zu erkennen, bevor diese Symptome auftreten, ist es ratsam, in regelmäßigen Abständen einen Diabetesrisikotest durchzuführen. Mit dem DIfE - DEUTSCHER DIABETES-RISIKO-TEST®, der unter www.dzd-ev.de direkt durchgeführt werden kann, lässt sich das individuelle Risiko bestimmen, ob man innerhalb der nächsten fünf Jahre an einem Diabetes erkrankt. Weiterhin findet man dort Empfehlungen, um das Diabetes-Risiko zu senken.

Kann ich Diabetes vorbeugen?
Übergewicht zu vermeiden, ist die wichtigste Regel um Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Wir wissen inzwischen, dass das abdominale Fettgewebe, also das "Bauchfett", ein hochaktives Stoffwechselorgan ist, und dass Botenstoffe, die in diesem Gewebe produziert werden, teils negativ in den Blutzuckerstoffwechsel eingreifen. Patienten, die dieses abdominale Fett reduzieren, sprechen wieder deutlich besser auf - auch körpereigenes - Insulin an und die Blutzuckerwerte fallen ab. Anders verhält es sich beim Typ-1-Diabetes. Hierbei zerstört der Körper selbst die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes steigt so stark an, dass dies allein mit genetischen Ursachen nicht zu erklären ist. Auch erkranken die Betroffenen immer früher, also in jüngerem Alter. Umweltfaktoren sind vermutlich hierfür ursächlich. Allerdings ist noch nicht klar, welche Umweltfaktoren das genau sind. Möglicherweise sind es tatsächlich Faktoren unseres "modernen Lebensstils": So kann der frühe Kontakt mit vielen Antigenen – ähnlich wie bei der "Schmutztheorie" bei Allergien – möglicherweise schützend wirken, während eine "sterilere" Umgebung eher das Risiko für Autoimmunität erhöht.

Wie wird Diabetes behandelt?
Eine konsequente, optimale Blutzuckereinstellung sowie eine gesunde Lebensführung wirken sich positiv sowohl auf die Lebensqualität als auch auf die Lebenserwartung aus. Eine frühe strukturierte Behandlung in Kombination mit einer auf den Patienten zugeschnittenen Diabetes-Schulung ist aus diesen Gründen besonders wichtig. In allen Diabetesfällen ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckers wichtig, um mögliche Folgeerkrankungen weitgehend zu vermeiden.

Welche Folgeerkrankungen gibt es?
Viele Betroffene unterschätzen die Gefahren, die ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel mit sich bringt, weil er keine Schmerzen verursacht. Diabetische Augenerkrankungen, das diabetische Fußsyndrom oder Erkrankungen der Nerven und Gefäße sind typische, jedoch größtenteils vermeidbare Folgen. Neuere Studien zeigen auch, dass Diabetiker öfter unter Depressionen leiden als gesunde Menschen. Gerade bei älteren Patienten erhöht sich das Risiko für schwere Folgeerkrankungen und die Sterblichkeit um ein Vielfaches.

Gibt es Ernährungsregeln für Diabetiker?
Diabetiker sollten sich nach den modernen Grundsätzen der gesunden Ernährung richten. Auch Kuchen, Schokolade oder ein Glas Wein sind grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Da gerade für den Typ-2-Diabetiker mit Übergewicht die Gewichtsreduktion ein wesentliches Ziel der Behandlung ist, gilt es, gerade Süßigkeiten nur in Maßen zu verzehren. Der Diabetiker sollte immer die Blutzuckerselbstkontrolle durchführen und das Einschätzen der Kohlenhydratmenge in den Lebensmitteln, Speisen und Getränken einüben. Dadurch können Menschen mit Diabetes sich heute aktiv an einer guten Blutzuckereinstellung beteiligen und sind dadurch frei in der Wahl ihrer Lebensmittel. Grundsätzlich sollte eine Ernährung, die reich an tierischen Fetten ist, vermieden werden, da sie das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten erhöht. Zudem sollten Diabetiker reichlich ballaststoffhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, da sie sich günstig auf den Blutzuckerspiegel auswirken.

Muss ich in jedem Fall Insulin spritzen?
Diese Frage stellen sich die meisten frisch diagnostizierten Diabetespatienten. Die Frage lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Während bei Typ-1-Diabetes sofort mit dem Spritzen von Insulin begonnen werden muss, weil die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert, können bei Typ-2-Diabetes mehrere Jahre mit oralen Antidiabetika überbrückt werden,       bis Insulin gespritzt werden muss. Dann wird oftmals mit nur einer Insulinspritze am Tag begonnen.

Meine Tochter hat Diabetes. Seit sie etwa 15 Jahre alt ist, nimmt sie ihren Diabetes kaum noch ernst. Was kann ich tun?
Eltern können auf ihre Kinder in der oft schwierigen Phase der Pubertät nur bedingt Einfluss ausüben. Sie sollten sie dazu motivieren, sich selbst stärker um die bestmögliche Blutzuckereinstellung zu bemühen. Wenn Jugendliche Unterstützung durch Eltern ablehnen, bietet sich an, offen zu fragen, wer stattdessen dabei helfen soll. Letztendlich kann auch ein bester Freund oder ein Verwandter zur Seite stehen.

Wie kann ich meinem übergewichtigen Kind beim Abnehmen helfen?
Zur effektiven Gewichtsreduktion und Prävention von Typ-2-Diabetes bei adipösen Kindern und Jugendlichen gehört neben einer ausgewogenen Ernährung und mehr Bewegung auch das Führen eines Ernährungsprotokolls. In diesem sollten Eltern festhalten, was das Kind gegessen und getrunken hat. Der behandelnde Arzt kann anhand des Protokolls ungünstige Ernährungsgewohnheiten der Familie aufzeigen, die zur Prävention von Diabetes geändert werden sollten. Ziel ist immer eine Gewichtsreduktion, ohne zu hungern.