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30.04.2015

Neue DZD-Studienambulanz für Diabetesforschung am Universitätsklinikum Heidelberg

Eine neue Studienambulanz für Diabetesforschung am Universitätsklinikum Heidelberg soll dazu beitragen, Entstehung und Verlauf der Volkskrankheit Diabetes mellitus und ihrer Folgeerkrankungen besser zu verstehen. Im Rahmen von Langzeitstudien untersuchen die Ärzte Patienten in verschiedenen Stadien (Prä-Diabetes, neu entdeckter Diabetes, langjähriger Diabetes) im Hinblick auf mögliche Spätschäden wie Herzinfarkt, Schlaganfälle, Erblindung und Nervenerkrankungen. Bisher wurde vermutet, dass eine gute Blutzuckereinstellung diese Folgeerkrankungen vermindert. Studien konnten dies jedoch nicht belegen. Deshalb wollen die Forscher untersuchen, welche Stoffwechselvorgänge die Spätschäden verursachen.

Für drei Hauptstudien werden noch Teilnehmer gesucht. Diese sollten mindestens 18 Jahre alt sein, eine Überweisung ist nicht notwendig. Die Teilnehmer werden umfassend klinisch untersucht und beraten und erhalten eine Aufwandsentschädigung. Der behandelnde niedergelassene Arzt bekommt einen ausführlichen Befundbericht.

 Diabetes mellitus immer noch nicht richtig verstanden
„Wir haben den Diabetes mellitus immer noch nicht richtig verstanden“, sagt Dr. Stefan Kopf, Oberarzt an der Universitätsklinik für Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie. Der Leiter der Studienambulanz für Diabetesforschung, die mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) in Düsseldorf kooperiert, erklärt, dass das Problem in der Dogmatisierung des Surrogatparameters HbA1c liegt. Surrogatparameter sind Laborwerte, die nur einen indirekten Rückschluss auf Stoffwechselprozesse liefern, aber keinen direkten Zusammenhang mit den eigentlichen Erkrankungen haben. Dieser HbA1c-Wert wird in der ärztlichen Praxis verwendet, um den Verlauf des Diabetes mellitus zu verfolgen und die Behandlung darauf abzustimmen.

 Durch die ersten Ergebnisse der großen klinischen Studien Ende der 70er Jahre wurde klar, dass hohe Blutzuckerwerte und ein hoher HbA1c-Wert schlecht für die betroffenen Patienten sind und daher behandelt werden müssen. Nachbeobachtungen zeigten jedoch, dass die Blutzuckereinstellung beziehungsweise der HbA1c-Wert nur etwa 11 Prozent aller Spätschäden erklärt. Eine weitere Studie, bei der es um eine aggressive Blutzuckersenkung ging, musste abgebrochen werden, da hier vermehrt Patienten gestorben sind.

„Typische Diabetes-Spätschäden entstehen auch dann, wenn der Blutzucker nicht erhöht wird – das zeigen weitere Ergebnisse aus der Grundlagenforschung. Die Definition der Diagnose Diabetes mellitus kann daher nicht allein über einen erhöhten Blutzucker gestellt werden. Hier spielen spezielle Moleküle - sogenannte reaktive Metabolite - eine Rolle, die in verschiedene Stoffwechselmechanismen eingreifen und somit zu Spätschäden führen“, erklärt Dr. Stefan Kopf.

 Für folgende Studien werden zurzeit noch Teilnehmer gesucht:

 Prä-Diabetes-Interventionsstudie (PLIS)

 An dieser Studie können Patienten mit Prä-Diabetes teilnehmen – also mit Übergewicht und überhöhten Blutzuckerwerten zwischen 100-125 mg/dl. Die Lebensstil-Interventionsstudie beinhaltet eine ausführliche klinische Untersuchung, eine Kernspintomographie um den Interventionserfolg zu verfolgen, sowie eine Ernährungs- und Bewegungsberatung. Die Studie ist für einen Zeitraum von drei Jahren ausgelegt, mit dem Ziel die Entstehung eines manifesten Diabetes zu verhindern.

 Deutsche Diabetes Studie (DDS)

 Patienten mit neu entdecktem Diabetes mellitus (Typ 1und 2) können an dieser Studie teilnehmen. Der Zeitraum erstreckt sich hier über 10 Jahre. Patienten erhalten neben einer ausführlichen klinischen Untersuchung auch eine Kernspintomographie. Ziel dieser Studie ist es, die Entstehung von Diabetes und seinen Spätschäden besser zu verstehen.

 Schwangerschaftsdiabetes-Studie (PREG)

 Hierbei handelt es sich um eine Studie zur Früherkennung von Schwangerschaftsdiabetes. Zudem soll das individuelle Risiko untersucht werden, nach der Schwangerschaft an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Der Mindestbeobachtungszeitraum liegt bei einem Jahr.

 Es wird in Abhängigkeit von der Studie eine Aufwandsentschädigung zwischen 25 und 400€ bezahlt. Interessierte Patienten können sich direkt an die Studienambulanz für Diabetesforschung Heidelberg wenden:

 Tel.: 06221 56 - 8606 oder 56 – 36323
 E-Mail: dzd.studiennoSp@m@med.uni-heidelberg.de

 Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg:  Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang 
 Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.


Weitere Informationen:
Studienambulanz für Diabetesforschung Heidelberg