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13.04.2016

DZD präsentiert aktuelle Diabetesforschung und erhält Präventionspreis auf DGIM-Jahrestagung

Die 122. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) vom 9. bis 12. April 2016 stand unter dem Motto „Demographischer Wandel fordert Innovation“. DZD-Wissenschaftler Prof. Norbert Stefan wurde für das Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm „TULIP“ mit dem Präventionspreis ausgezeichnet. Erstmals waren in diesem Jahr auch die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) mit einem gemeinsamen Stand und eigenen Symposien vertreten.

Prof. Norbert Stefan (links) nimmt den Präventionspreis der Deutschen Stiftung Innere Medizin entgegen. Quelle: Andreas Henn

Die Deutsche Stiftung Innere Medizin zeichnete dieses Mal gemeinsam mit der DGIM eine Studie aus dem Bereich der Diabetologie mit dem Präventionspreis für die beste Arbeit zur Vorbeugung innerer Erkrankungen aus. Das Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm „TULIP“ hinterfragte, warum sich eine drohende Diabeteserkrankung mit allgemeinen Empfehlungen zur Lebensstiländerung nicht immer wirksam verhindern lässt.

Erfolgsfaktoren für die Diabetesprävention
Preisträger Prof. Norbert Stefan konnte gemeinsam mit seinen Kollegen vom Universitätsklinikum Tübingen zwei Phänotypen (Erscheinungsbilder) identifizieren, mit deren Bestimmung sich vorhersagen lässt, bei welchen Patienten durch eine Lebensstilintervention eine ausreichend hohe Reduktion von erhöhten Blutzuckerwerten zu erwarten ist. Erfolgsentscheidend ist demnach, ob Patienten eine Insulinsekretionsstörung und/oder eine Kombination aus nichtalkoholischer Fettleber mit Insulinresistenz aufweisen. „Teilnehmer mit diesen Merkmalen hatten eine um das 4,5-fach niedrigere Erfolgschance. Nun untersuchen wir in der bundesweiten Prädiabetes Lebensstil Interventionsstudie (PLIS) gemeinsam mit allen Partnern des DZD, ob Prädiabetiker, die zur Hochrisikogruppe zählen, von einer besonders intensiven Lebensstilintervention profitieren“, erklärt Stefan.

Innovatives Therapiekonzept: Multihormonmoleküle
In der Session „Highlights zu Adipositas und Lipidstoffwechsel“, die unter der Schirmherrschaft des DZD stand, stellte zunächst DZD-Wissenschaftler Dr. Timo Müller neue Wirkstoffe für die Adipositastherapie der Zukunft vor. Als Therapiemöglichkeiten der Adipositas stehen bisher Diät, Pharmakotherapie und Magenoperation zur Verfügung. Am Helmholtz Zentrum München wird an innovativen Ansätzen geforscht: Multihormonmoleküle bilden die physiologische Wirklichkeit des natürlichen Hormon-Wechselspiels besser ab als ein einzelner Wirkstoff und können die Effekte der bariatrischen Chirurgie nachahmen.

Ein neuer Wirkstoff, der die Wirkungen von drei Hormonen (Glukagon, GLP-1* und GIP**) vereint, senkt das Körpergewicht um ca. 30 Prozent, etwa doppelt so viel wie ein dualer Co-Agonist aus GLP-1 und GIP bei gleicher Dosierung. Auch mit der Kombination von GLP-1 und Östrogen wurden in ersten Untersuchungen sehr gute Erfolge erzielt. Das Hybrid-Molekül sorgte bei adipösen Mäusen für weniger Appetit und Gewicht. „Die in einem Molekül zusammengefassten Polytherapien haben das Potential, sich zum Goldstandard in der Diabetes- und Adipositas-Therapie zu entwickeln“, so Müller.


Dr. Timo Müller präsentiert neue Wirkstoffe für die Adipositastherapie. Quelle: DZD

Sport als „Allheilmittel“
Prof. Martin Halle, ärztlicher Direktor am Lehrstuhl und Poliklinik für präventive und rehabilitative Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM), beleuchtete in seinem Vortrag sehr anschaulich die Bedeutung von körperlicher Aktivität für Diabetespatienten. Er zeigte auf, dass körperliche Fitness bei Auftreten eines Krankheitsbildes immer eine bessere Ausgangsbasis bildet. Je fitter der Patient, desto besser könnten kardiovaskuläre Folgeerkrankung verhindert werden. Für Diabetespatienten werden 30 Minuten Spazierengehen pro Tag empfohlen. Um die muskuläre Belastung zu intensivieren, sollte ein Intervalltraining durchgeführt werden. Das bedeutet: Während des Spaziergangs zwischendurch immer wieder eine Minute trippeln.

Neuer Angriffspunkt: PCSK9-Hemmung
Um neue Therapien zur Senkung des LDL-Cholesterins ging es im Vortrag von Prof. Dirk Müller-Wieland, der u.a. Mediensprecher der Deutschen Diabetes-Gesellschaft ist. Er stellte die neue Wirkstoffklasse der PCSK9-Hemmer vor. Die „Proprotein Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9“ (PCSK9) unterstützt den Abbau des LDL-Rezeptors, mit dessen Hilfe LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zelle aufgenommen wird. Durch eine Hemmung dieses Enzyms kann der LDL-Wert deutlich stärker gesenkt werden als durch Statine.

Die Therapie mit einem PCSK9-Hemmer kann bei Statin-Unverträglichkeit angewandt werden oder wenn sich die LDL-Cholesterinkonzentration trotz cholesterinarmer Ernährung und Statin-Einnahme nicht ausreichend senken lässt. Der Wirkstoff wird alle zwei bzw. vier Wochen unter die Haut gespritzt. Müller-Wieland rät, sich zur Behandlung an große Zentren zu wenden, die bereits Erfahrung damit haben. Bisher sind nur wenige Nebenwirkungen bekannt. Weitere Sicherheitsdaten sind jedoch erforderlich.

Forschung zu den großen Volkskrankheiten
Am DZG-Stand zeigten Studierende und Internisten Interesse für die Ausbildung und Forschung an den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Diese vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten nationalen Verbünde nehmen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Lungenerkrankungen, Infektionen und neurodegenerative Erkrankungen ins Visier:

Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung dkfz (DKTK)
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V. (DZD)
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. (DZHK)
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL)
Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE)

 
DZG-Stand: Dr. Astrid Glaser (DZD) und Christine Vollgraf (DZHK) stellen die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung vor. Quelle: Andreas Henn

*GLP-1: Glucagon like Peptide 1
**GIP: Gastric Inhibitory Peptide oder Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide