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19.01.2017

Neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

Die nichtalkoholische Fettlebererkrankung hat sich zu einer globalen Epidemie ausgeweitet. Es besteht weltweit nicht nur ein großes Interesse die Ursachen und Folgen der Fettleberkrankung zu verstehen, sondern auch die Diagnose frühzeitig zu stellen. Unter der Leitung von Prof. Norbert Stefan haben Forscher des Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) aus Tübingen und Potsdam nun aus klinischen Daten einen neuen Index generiert, der mit hoher Genauigkeit das Vorliegen einer Fettlebererkrankung vorhersagen kann. Beteiligt waren Wissenschaftler der Inneren Medizin IV des Universitätsklinikums Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrum München sowie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Quelle: IDM

Etwa jeder dritte Erwachsene in den industrialisierten Ländern hat eine krankhaft verfettete Leber. Damit erhöht sich für diese Menschen nicht nur das Risiko an fortgeschrittenen Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und Leberkrebs, sondern vor allem an Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken. Um frühzeitig mit präventiven und therapeutischen Maßnahmen intervenieren zu können, muss die Fettleber rechtzeitig erkannt werden. Hierfür sind die Ultraschalluntersuchung der Leber und die Bestimmung der Leberwerte zwar geeignet, sie können die Fettleber aber meist nur in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostizieren. Aufwändigere Untersuchungen wie die Kernspinspektroskopie sind hierfür zwar aussagekräftiger, sie sind aber wegen der relativ hohen Kosten im klinischen Alltag nicht auf breiter Ebene einsatzfähig. Daher arbeiten Wissenschaftler weltweit an einfachen und genauen Methoden, die für die Diagnose einer Fettleber besser geeignet sind. Unter verschiedenen Indizes, die dafür entwickelt wurden, hat sich der ‚Fatty Liver Index‘ (FLI) bestehend aus den Parametern Alter, Body-Mass-Index, Taillenumfang und den im Nüchternzustand im Blut gemessenen Werten für Triglyzeride (TG) und Gamma-Glutamyltranspeptidase (GGT), als recht effektiv erwiesen.
Die Forscher aus Tübingen um Prof. Stefan haben in Kollaboration mit Prof. Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), einem Partner des DZD, und ihren Kollegen aus Hamburg und Italien einen verbesserten FLI entwickelt. Hierfür haben sie zusätzlich zu den Parametern des FLI auch die TG- und die Glukosewerte aus einem oralen Glukosetoleranztest zum Zeitpunkt zwei Stunden nach Einnahme der Glucose sowie die für die Fettleber wichtigste Genvariante (rs738409 C>G in PNPLA3) verwendet. Anhand von Daten der TULIP-Studie (Tübinger Lebensstil Interventionsprogramm) konnten sie nun zeigen, dass man mit diesem neuen und erweiterten Fettleberindex nicht nur die Fettleber besser als der bekannte FLI diagnostizieren kann, sondern sich auch die Wahrscheinlichkeit für die Abnahme des Leberfettgehalts während einer Lebensstilintervention genauer vorhersagen lässt.  
Prof. Stefan hofft nun, dass „dieser Index zunehmend im klinischen Alltag eingesetzt wird, um eine Fettlebererkrankung frühzeitig zu diagnostizieren, damit Folgeerkrankungen der Fettleber verhindert werden können“.

Original-Publikation:
Kantartzis K, Rettig I, Staiger H, Machann J, Schick F, Scheja L, Gastaldelli A, Bugianesi E, Peter A, Schulze MB, Fritsche A, Häring HU, Stefan N. An extended fatty liver index to predict non-alcoholic fatty liver disease.Diabetes Metab. 2017 Jan 12. pii: S1262-3636(16)30564-X. [Epub ahead of print] doi: 10.1016/j.diabet.2016.11.006