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Erste Ergebnisse Life & Covid-Studie: Übergewicht und Fettleibigkeit möglicherweise wichtigste Lebensstilfaktoren für einen schweren Verlauf von Covid-19

Die Online-Studie Life & Covid untersucht den Einfluss verschiedener Lebensstilfaktoren auf die Schwere der Covid-19-Erkrankung. Schwere Krankheitsverläufe zeichnen sich in der Regel durch das Auftreten von Lungenentzündungen aus. Welche Faktoren zur Ausbildung einer Lungenentzündung führen, ist derzeit Gegenstand der Forschung. Ergebnisse der Life & Covid-Studie zeigen einen Zusammenhang von Übergewicht/Fettleibigkeit und dem vermehrten Auftreten schwerer Krankheitsverläufe mit Zeichen einer Lungenentzündung. Eine mögliche Schlüsselrolle könnten dabei bestimmte Hormone des Fettgewebes spielen, wie beispielsweise Leptin. Die Studie wird geleitet vom DZD-Wissenschaftler PD Dr. Andreas Lechner vom Studienzentrum Diabetes der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Quelle: LIFE&COVID. Studienzentrum Diabetes am LMU Klinikum

 

Covid-19-Erkrankungen verlaufen unterschiedlich schwer. Das Spektrum reicht von leichten Formen mit keinen oder milden Symptomen bis hin zu lebensgefährlichen Verläufen mit Lungen- und Kreislaufversagen. Das Auftreten von Symptomen einer Lungenentzündung, wie Atemnot oder die Notwendigkeit von Sauerstoffzufuhr oder künstlicher Beatmung, grenzt schwere von milden Krankheitsverläufen ab. Welche Faktoren zu einem schweren Verlauf mit Lungenentzündung führen, ist derzeit noch nicht vollständig geklärt.

Analyse schützender und schädlicher Faktoren
Die Online-Studie Life & Covid untersucht den Einfluss verschiedener Lebensstilfaktoren auf den Schweregrad der Covid-19-Erkrankung. Insbesondere wurden die vier möglicherweise schützenden Faktoren regelmäßiger Sport, gesunde Ernährungsgewohnheiten, erholsamer Schlaf und häufiger Kontakt zu Kindern und damit auch zu Atemwegsviren untersucht. Als vier potenziell schädliche Lebensstilfaktoren wurden Übergewicht/Fettleibigkeit, ungünstige Fettverteilung, Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum analysiert.

Neben diesen acht Lebensstilfaktoren und der Krankheitsschwere wurden in der Studie Life & Covid auch demografische Daten sowie Informationen zu Vorerkrankungen und Medikamenten erhoben. 204 vorwiegend ambulant behandelte Covid-19-Patienten, diagnostiziert mit Nasen-Rachen-Abstrich oder nachträglichem Antikörpertest, nahmen im Zeitraum von Mai bis Juli 2020 an der Online-Befragung teil.

Doppelte Häufigkeit von Lungenentzündung bei übergewichtigen und fettleibigen Personen
Ergebnisse der Life & Covid-Studie zeigen einen Zusammenhang zwischen Übergewicht/Fettleibigkeit und schweren Covid-19 Verläufen. Symptome einer Lungenentzündung traten bei Patienten mit Übergewicht und Fettleibigkeit etwa doppelt so häufig auf, als dies bei Normalgewichtigen der Fall war. Außerdem konnte bei Personen mit Übergewicht/Fettleibigkeit eine erhöhte Rate an Behandlungen mit Sauerstoff oder künstlicher Beatmung beobachtet werden. Dieser Zusammenhang besteht nicht nur bei Fettleibigkeit (Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² oder höher), sondern bereits bei übergewichtigen Personen mit einem BMI ab 25 kg/m². Eine denkbare Verbindung zwischen Übergewicht/Fettleibigkeit und schweren Krankheitsverläufen stellt das Fettgewebe dar. Der maßgebliche Faktor könnten möglicherweise Signalstoffe wie das Hormon Leptin sein, das bei zunehmender Fettmasse vermehrt produziert wird. Leptin kann einen bestimmten Abwehrmechanismus bei Virusinfektionen vermindern, der auch gegen SARS-Covid-2 eine Rolle zu spielen scheint. Um diesen Zusammenhang zwischen Fettgewebe und schweren Covid-19-Erkrankungen nachzuweisen, ist allerdings weiterführende Forschung notwendig.

Bei den weiteren sieben untersuchten, potenziell schützenden oder schädlichen Lebensstilfaktoren konnte kein Zusammenhang mit der Krankheitsschwere identifiziert werden. Dies bedeutet aber nicht, dass diese im Kontext mit Covid-19 nicht relevant sind. Es ist stattdessen gut möglich, dass deren Effekte nur etwas zu gering waren, um im Rahmen der Life & Covid-Studie erfasst zu werden.

Link zur Vorabveröffentlichung der Studienergebnisse