2016, April

Lebensstil ist vererbbar

Eltern könnte in der Diabetesprävention zukünftig eine noch bedeutendere Rolle zukommen. DZD-Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München haben nachgewiesen, dass durch Ernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes epigenetisch* an die Nachkommen vererbt werden können.

Das Forscherteam um Prof. Martin Hrabě de Angelis und Prof. Johannes Beckers verwendete für die Untersuchung Mäuse, die aufgrund einer fettreichen Nahrung fettleibig geworden waren und einen Typ-2-Diabetes entwickelt hatten. Ihre Nachkommen wurden ausschließlich über in vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung) von isolierten Eizellen und Spermien gewonnen, sodass Veränderungen bei den Nachkommen nur über diese Zellen weitergegeben wurden. Ausgetragen wurden die Nachkommen von gesunden Leihmüttern. Es zeigte sich, dass sowohl Eizellen als auch Spermien epigenetische Information weitergeben, die insbesondere bei den weiblichen Nachkommen zu einer starken Fettleibigkeit führten. Bei den männlichen Nachkommen hingegen war der Blutzuckerspiegel stärker betroffen als bei den weiblichen Geschwistern.

Diese Art der epigenetischen Vererbung könnte eine der Ursachen für den weltweiten dramatischen Anstieg von Diabetes sein. Da epigenetische Vererbung im Gegensatz zur genetischen Vererbung prinzipiell reversibel ist, ergeben sich aus diesen Beobachtungen neue Möglichkeiten, die Entstehung von Adipositas und Diabetes zu beeinflussen.

*Epigenetik: Im Gegensatz zur Genetik bezeichnet der Begriff Epigenetik die Vererbung von Eigenschaften, die nicht in der primären Sequenz der DNA (den Genen) fixiert sind.

Originalpublikation:
Huypens, P. et al. Epigenetic germline inheritance of diet induced obesity and insulin resistance. doi: 10.1038/ng.3527. Nature Genetics. March 14, 2016

Link zur Fachpublikation:
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3527.html

Quelle: DZD