Karsten Suhre erhält Gay-Lussac-Humboldt-Preis 2011

Prof. Dr. Karsten Suhre vom Institut für Bioinformatik und Systembiologie am Helmholtz Zentrum München erhält am 15. März in Paris einen der Gay-Lussac-Humboldt-Preise 2011. Suhre wird damit für seine langjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit mit französischen Forschungseinrichtungen und sein Engagement für gemeinsame universitäre Lehrgänge ausgezeichnet. Der Gay-Lussac-Humboldt-Preis wird jährlich vom französischen Forschungsministerium vergeben.


Als Leiter der Arbeitsgruppe für Metabolomics am Institut für Bioinformatik und Systembiologie des Helmholtz Zentrums München und Professor für Bioinformatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und auch Forschungsdirektor am CNRS, dem Centre National de la Recherche Scientifique wird Professor Suhre für seine langjährige Forschungskooperation mit Frankreich ausgezeichnet. Bereits während seiner Promotion hatte der Physiker mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und der französischen Regierung in Frankreich geforscht und danach an den deutsch-französischen EU-Forschungsprojekten MOZAIC und ACE-2, beide im Bereich der Klimaforschung, gearbeitet.


Gay-Lussac-Humboldt-Preis
Der Gay-Lussac-Humboldt-Preis wird jährlich an vier bis fünf deutsche und französische, international renommierte Wissenschaftler aller Forschungsdisziplinen, die für die Zusammenarbeit beider Länder stehen. Das Preisgeld ist für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland (für französische Preisträger) bzw. in Frankreich (für deutsche Preisträger) zweckgebunden, welchen Suhre in Form eines gemeinsamen Diabetes-Projekts plant.


Forschungsschwerpunkte von Prof. Suhre: Metabolomics in der Diabetesforschung
Professor Suhre arbeitet auf dem neuen Gebiet der „Metabolomics“ und untersucht dabei auch in Projekten des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung Zusammensetzung und Konzentration von Stoffwechselprodukten des Körpers, den so genannten Metaboliten. Das Spektrum der Metaboliten hängt dabei von der genetischen Ausstattung ab. So weisen Personen mit anderen Varianten von Diabetes-Risikogenen auch eine entsprechend unterschiedliche Zusammensetzung und Aktivität von Enzymen auf, die durch diese Gene kodiert sind. Und dies wirkt sich direkt auf die Konzentration von Stoffwechselprodukten im Serum aus. Unterschiedliche Stoffwechselprofile werden auch Metabotypen genannt. Der Metabotyp eines Menschen beruht also auf der genetischen Veranlagung und wird durch Ernährung und Lebensstil beeinflusst.


Rolle der Gene bei Stoffwechselerkrankungen
„Die Verknüpfung von Genetik und Stoffwechselendprodukten ist neu und bringt uns bei der Suche nach Markern für die Früherkennung und Therapie von schweren Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes einen entscheidenden Schritt weiter“, so Karsten Suhre. „Eine Identifizierung von genetisch bedingten Variationen im Stoffwechselhaushalt kann in Zukunft zur individuellen Vorhersage von Risiken hinsichtlich bestimmter Erkrankungen, Reaktionen auf Medikamentenbehandlung sowie Ernährungs- oder Umwelteinflüsse beitragen.“


Personalisierte Medizin dank Metabolomics?
Die Ergebnisse aus der Metabolomics-Forschung zeigen, welche physiologischen Auswirkungen bestimmte Genvarianten haben. „Metabolomics wird dabei helfen, Gesundheitsrisiken für bestimmte Erkrankungen wesentlich differenzierter zu bestimmen als es bisher anhand von Genanalysen möglich war – insbesondere für solche Krankheiten, die eng mit dem Stoffwechsel zusammenhängen“, sagt Karsten Suhre. Dazu gehören Volkskrankheiten wie Diabetes, Gicht oder eine Verengung der Herzkranzgefäße, die häufig zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Suhre: „Mit diesem Wissen können Patienten zukünftig gezielter behandelt werden, weil ihre Reaktionen auf Medikamente aber auch der Einfluss der Ernährung und der Umwelt präziser eingeordnet werden können. Unsere Forschungsergebnisse sind ein erster Schritt hin zu einer individualisierten Medizin und Ernährung.“


Birgit Niesing
Birgit Niesing

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit