Übergewicht – Nicht alle sitzen im gleichen Boot

Menschen mit Übergewicht sind unterschiedlich stark anfällig für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Studien des Tübinger Universitätsklinikum, Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), zeigen, dass nicht alle übergewichtigen Patienten ihr Diabetesrisiko durch einen gesünderen Lebensstil senken können. Personen mit einer Fettleber profitieren besonders von mehr Bewegung und gesünderer Ernährung.


Dass Präventionsprogramme zur Vorbeugung gegen Stoffwechselerkrankungen bei Patienten mit Übergewicht (Adipositas) höchst unterschiedlich wirksam sind, weiß Prof. Norbert Stefan dank seiner Studienergebnisse seit langem. Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Universitätsklinikum Tübingen, Partner im DZD, verglich er in adipösen Personen die Auswirkungen einer Lebensstiländerung auf die Entwicklung einer Insulinresistenz, die eine Vorstufe des Diabetes darstellt. Wie kürzlich in dem Fachjournal „Diabetologia“ publiziert, profitierten von einem gesünderen Lebensstil mit gesünderer Ernährung und mehr Bewegung besonders Studienteilnehmer, die zu Studienbeginn bereits eine Insulinresistenz entwickelt hatten. Diese Gruppe unterschied sich durch eine sogenannte Fettleber von den Personen, bei denen keine oder nur eine marginale Insulinresistenz gemessen wurde. Prof. Stefan schlägt vor, dass Personen, die an Diabetes oder einer Vorstufe dieser Erkrankung leiden, hinsichtlich der Körperfettverteilung und Stoffwechselveränderungen genau charakterisieren werden. So wird dem Arzt ermöglicht, diesen Patienten adäquate Präventions- und Behandlungsstrategien zu verordnen, die sowohl eine Lebensstiländerung als auch ein medikamentöse Therapie umfassen können.
Die Wissenschaftler am Tübinger Universitätsklinikum untersuchen seit mehreren Jahren, in welchem Umfang Adipositas Stoffwechselerkrankungen zur Folge hat. So konnte Prof. Stefan mit seinen Kollegen erstmals 2008 zeigen, dass 25 bis 30 Prozent der Menschen mit Fettleibigkeit eine „gutartige“ Adipositas hinsichtlich der Stoffwechselveränderungen aufweisen. Sie sind weniger gefährdet, eine Insulinresistenz und damit später auch einen Diabetes zu entwickeln.
Neueste Daten aus der Wissenschaft belegen, dass die Fettleibigkeit weltweit ungebremst voranschreitet. Damit steigt auch das Risiko für die beiden häufigsten Stoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Dank der Arbeiten von den Tübinger Wissenschaftler wird klar, dass bei zukünftigen Strategien zur Bekämpfung Adipositas-bedingter Stoffwechselerkrankungen die Tatsache berücksichtigt werden muss, dass es im Hinblick auf den Stoffwechsel gesunde und kranke Dicke gibt. Diese benötigen unterschiedlich intensive Interventionsmaßnahmen und sind am besten am Vorliegen oder am Fehlen einer Fettleber zu erkennen.

Birgit Niesing
Birgit Niesing

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit