Inseltransplantation

Die Inseltransplantation ist eine Therapieform zum "natürlichen" Ersatz der Insulinproduktion bei Patienten mit Typ-1-Diabetes durch Übertragung von isolierten Insulin-produzierenden Zellen ("Langerhans-Inseln") aus einem Spenderorgan.

Aufwändiges Verfahren
Die Inseln werden im Rahmen eines aufwendigen Prozesses im Labor aus einer Bauchspeicheldrüse isoliert und aufgereinigt. Wenn die so gewonnenen Inselzellen in Reinheit, Sterilität und Funktion den strengen Kriterien entsprechen, können sie dem Patienten über die große Lebervene in die Leber eingeschwemmt werden. Dort siedeln sich die Inselzellen an und nehmen die Insulinproduktion auf.

Momentan nur selten angewendet
Das Verfahren der Inseltransplantation bleibt allerdings einer kleinen Gruppe von Diabetikern vorbehalten, die an schweren und häufig lebensbedrohlichen Komplikationen, vor allem Unterzuckerungen leiden. Ein Grund für die seltene Anwendung dieses Verfahrens ist der notwendige Einsatz von Medikamenten, die das Immunsystem des Empfängers unterdrücken, um eine Abstoßung der Zellen zu verhindern. Diese Medikamente werden in der Regel gut vertragen, habe allerdings unter Umständen gefährliche Nebenwirkungen. Daher muss vor einer Entscheidung zur Inseltransplantation Nutzen und Risiko der Therapie sehr gründlich abgewogen werden.

Mögliche Heilung des Diabetes?
Das Ziel dieser Therapieform ist die Wiederherstellung einer körpereigenen Insulinproduktion und damit eine Stabilisierung des Blutzuckers und die Verhinderung schwerer Komplikationen der Erkrankung. Daneben profitieren die Patienten enorm hinsichtlich ihrer alltäglichen Lebensqualität.
Eine dauerhafte Insulinunabhängigkeit ist mit dieser Therapieform heutzutage noch nicht zu erreichen. Allerdings arbeiten viele Forschergruppen weltweit und innerhalb des DZD intensiv an der Optimierung und Erprobung neuer Ansätze zur Betazell-Ersatztherapie, sodass das Ziel einer „Heilung“ des Diabetes vielleicht irgendwann Wirklichkeit wird.

Bio-Reaktor erstmals im Menschen
Eine Studie der DZD-Forscher am UniversitätsklinikumDresden sorgte weltweit für Aufsehen. Erstmals gelang es, einen Patienten mit Typ-1-Diabetes über ein Jahr mit Insulin aus einem implantierten Bio-Reaktor zu versorgen.

Damit legte das Team den Grundstein für ein neues System in der Diabetestherapie. Der implantierbare Bio-Reaktor enthält menschliche Betazellen aus Spendergewebe. Diese circa 6 cm große flache Dose, die direkt unter die Bauchdecke eingesetzt wurde, könnte in naher Zukunft eine Alternative zur klassischen Transplantation darstellen.

Bislang müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes lebenslang Insulin spritzen. Konnte mit dieser Therapie der Blutzuckerwert nicht zufriedenstellend eingestellt werden, war eine gespendete Bauchspeicheldrüse die einzige Hoffnung. Doch eine Transplantation birgt Risiken und erfordert die dauerhafte Unterdrückung des Immunsystems. Das Dresdner Team entwickelte daher gemeinsam mit einem israelischen Kooperationspartner eine Kapsel, in der gespendete Pankreas-Zellen das Insulin an den Körper abgeben können, jedoch gleichzeitig durch eine Membran vor den Angriffen des Abwehrsystems geschützt sind. Nach jahrelanger Erprobung im Tiermodell transplantierten Chirurgen den Mini-Bio-Reaktor einem 63-jährigen Patienten, der seit seinem neunten Lebensjahr unter Typ-1-Diabetes leidet. Der Patient musste lediglich über einen Zugang Sauerstoff zuführen zum Überleben der Zellen.

Wie vorgesehen, entfernten die Chirurgen nach zehn Monaten das nach wie vor funktionstüchtige Transplantat. Über die Test-Monate hinweg arbeiteten die Spenderzellen effektiv, der Patient musste kein Insulin spritzen und das Immunsystem verhielt sich ruhig. Die Weichen für den neuen Ansatz sind damit gestellt.

Link

Mehr Informationen bietet einer der DZD-Partner, das Universitätsklinikum C.G.C. Dresden/Paul Langerhans Insitut Dresden.

Literatur

Lesen Sie dazu einen Übersichtsartikel der DZD-Wissenschaftler PD Dr. Barbara Ludwig und Prof. Stefan Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden.