Prävention des Typ-2-Diabetes

Koordinatoren:

Andreas Fritsche | Sofiya Gancheva | Andrea Icks | Matthias Schulze

Typ-2-Diabetes entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich schleichend über die Vorstufe des Prädiabetes. DZD-Forschende arbeiten an neuen Ansätzen, um das Entstehen der Stoffwechselerkrankung zu vermeiden.

Nicht jeder Mensch, der an einer Vorstufe des Diabetes (erhöhte Blutzuckerwerte, Prädiabetes) leidet, bekommt auch die Stoffwechselerkrankung. Viele können mit mehr Bewegung und gesunder Ernährung ihre Blutzuckerwerte wieder in den Griff bekommen. Doch nicht jeder Mensch mit Prädiabetes profitiert von einer Lebensstil-Intervention (Non-Responder). DZD-Forschende arbeiten daran, die unterschiedlichen Untergruppen des Diabetes und Prädiabetes zu identifizieren und für diese Untergruppen jeweils eine passende Vorbeugung zu entwickeln.

Zentrales Thema der Academy ist es, die Barrieren für eine erfolgreiche Diabetes-Prävention aufzulösen.
Es gibt zwei Hauptziele: 

  • Mechanismen verstehen, die zu einer Reaktion oder Nichtreaktion auf die Diabetesprävention führen, und diese bei einer Nichtreaktion zu durchbrechen
  • Übertragung von Diabetes-Screening und -Prävention auf die allgemeine Bevölkerung / das Gesundheitssystem

Um diese Ziele zu erreichen, untersuchen die Forschenden grundlegende Mechanismen, die für Präventionsprozesse unerlässlich sind, testen sie in klinischen Studien und betreiben Versorgungsforschung zur Umsetzung von Prävention im öffentlichen Gesundheitswesen.

Prävention durch Lebensstil-Intervention
Im Mittelpunkt der Academy steht die Prävention durch Lebensstil-Modifikationen. Im Jahr 2019 wurden mehrere Studien zur Ernährungsintervention veröffentlicht: Eine 12-wöchige Diät mit einer stark reduzierten Kalorienaufnahme, die durch eine spezielle App unterstützt und be­gleitet wurde, resultierte in einer signifikanten Reduktion von Körpergewicht und Leberfett, was zu einer Verbesserung der Blutzuckerparameter führte. In einer weiteren Studie wurde erforscht, ob weniger rotes Fleisch und mehr Ballaststoffe zusätzliche positive Effekte haben. Dies konnte nicht bestätigt werden, vielmehr überlagert die Kalorienreduktion andere etwaige positive Wirkungen.

Den Forschenden ist es zudem gelungen, mehrere Risikophänotypen für Prädiabetes zu beschreiben und Non-Responder aufgrund von Daten aus klinischen Studien zu definieren (TÜF, TULIP, PLIS). In einer aktuellen Publikation können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mittels einer sogenannten Clusteranalyse unterschiedliche Risikogruppen im Prädiabetes definieren. Bei Hochrisikogruppen des Prädiabetes kann man schon vor Diabetesmanifestation ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes erkennen.  Jüngste Studien in Zusammenarbeit mit der Academy Brain des DZD über Mechanismen für Non-Responder zeigten, dass körperliche Bewegung die Insulinwirkung des Gehirns verbessern könnte. So konnten u. a. durch Proteomics-Analysen Signaturen identifiziert werden, die potenziell für eine Vorhersage des Typ-2-Diabetes nutzbar sind.
 

Hohes Bedürfnis nach Informationen
Darüber hinaus zeigten versorgungsbezogene Studien zu Informationsbedürfnissen bei Menschen mit Diabetes und in der Allgemeinbevölkerung ein hohes Bedürfnis nach Informationen zu klinischen wie auch lebensweisenbezogenen Aspekten des Diabetes. Gesundheitsökonomische Untersuchungen ergaben einen hohen Zeitaufwand für das Selbstmanagement bei Menschen mit Diabetes. Bei monetärer Bewertung dieses Zeitaufwands ergeben sich Patientenzeitkosten von rund 2.000 Euro pro Patient und Jahr, mehr als direkte Krankheitskosten.

Das nationale Diabetesinformationsportal diabinfo.de stellt im Bereich Diabetes vorbeugen Forschungsergebnisse, den Diabetes-Risikotest und Informationen zur frühzeitigen Diabetesprävention zur Verfügung. Darüber hinaus sind Mitglieder dieser Academy u. a. in Informationsveranstaltungen für Lehrbeauftragte an weiterführenden Schulen aktiv.

Publikationen

Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nature Med in press. DOI: https://doi.org/10.1101/2020.10.12.20210062

Opposing Associations of NT-proBNP With Risks of Diabetes and Diabetes-Related Complications. Diabetes Care (2020), DOI: https://doi.org/10.2337/dc20-0553

Plasma N-glycans as emerging biomarkers of cardiometabolic risk – a prospective investigation in the EPIC-Potsdam cohort study. Diabetes Care (2020), DOI: https://doi.org/10.2337/dc20-0553

Deciphering the Plasma Proteome of Type 2 Diabetes. Diabetes (2020), Online ahead of print. DOI: 10.2337/db20-0296

Protein markers and risk of type 2 diabetes and prediabetes: a targeted proteomics approach in the KORA F4/FF4 study. Eur J Epidemiol (2019), DOI: 10.1007/s10654-018-0475-8

Patient time costs due to self-management in diabetes may be as high as direct medical costs: Results from the population-based KORA survey FF4 in Germany. Diabetic Medicine (2019), DOI: 10.1111/dme.14210

Prof. Dr. Andreas Fritsche, Leiter DZD Academy Prävention

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Rede anlässlich der 10-Jahres-Feier des DZD am 24. Juni 2019 in Berlin (auf Englisch).

Mitglieder der Academy

Andreas Birkenfeld, IDM
Matthias Blüher, Leipzig
Kálmán Bódis, DDZ
Andreas Fritsche, IDM
Sofiya Gancheva, DDZ
Andrea Icks, DDZ
Stefan Kabisch, DIfE
Thomas Laeger, DIfE
Michael Laxy, HMGU
Andreas Lechner, LMU
Wolfgang Rathmann, DDZ
Matthias Schulze, DIfE
Peter Schwarz, PLID
Norbert Stefan, IDM
Michael Stumvoll, Leipzig
Julia Szendrödi, Heidelberg
Barbara Thorand, HMGU
Siegfried Ussar, HMGU
Robert Wagner, IDM
Cora Weigert, IDM