Forschen für eine Zukunft
ohne Diabetes

„Forschen für eine Zukunft ohne Diabetes - das ist die Mission des DZD, die uns anspornt und vereint.“

Prof. Martin Hrabě de Angelis, DZD-Vorstand

Forschen für eine Zukunft
ohne Diabetes

„Durch die deutschlandweite Kooperation können Multicenterstudien mit der erforderlichen Teilnehmerzahl durchgeführt werden.“

Prof. Michael Roden, DZD-Vorstand

Forschen für eine Zukunft
ohne Diabetes

„Besonderes Augenmerk legt das DZD auf zeitnahen Transfer der Ergebnisse aus dem Labor in die medizinische Versorgung.“

Prof. Michele Solimena, DZD-Sprecher

 

Forschen für eine Zukunft
ohne Diabetes

„Das Besondere an der Forschung im DZD ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen.“

Prof. Annette Schürmann, DZD-Sprecher

DZD - Deutsches Zentrum
für Diabetesforschung

Tübingen, 05.03.2020

Eine bislang unentdeckte Ursache einer Fettleber bei schlanken Menschen

Die nichtalkoholische Fettleberkrankheit (NAFLD) wird meist bei übergewichtigen und fettleibigen Menschen diagnostiziert. Schwere Formen von NAFLD können jedoch auch bei seltenen genetischen Erkrankungen wie Lipodystrophie oder bei HIV-Patienten nachgewiesen werden, wodurch sie ein hohes Risiko für die Entwicklung von Leberversagen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. Norbert Stefan und Kollegen haben jetzt eine noch unbekannte Ursache für NAFLD bei mageren Menschen entdeckt. Sie berichten vom Fall einer Frau, die eine Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie gegen Hautkrebs erhielt, die möglicherweise eine Entzündung ihres Unterhautfetts ausgelöst hat, was zu einem dramatischen Verlust an Fettmasse und einer schweren Form der NAFLD führte.

Man geht davon aus, dass die weltweite Epidemie von NAFLD hauptsächlich durch einen ungesunden Lebensstil mit wenig körperlicher Aktivität und einer Ernährung mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten, Zucker und Fruktose verursacht wird. Bei diesen übergewichtigen und fettleibigen Patienten gilt die Gewichtsabnahme, die durch eine Änderung des Lebensstils herbeigeführt wird, als die wirksamste und sicherste Methode zur Behandlung der NAFLD und zur Verringerung des Risikos für fortgeschrittene Formen von Lebererkrankungen, wie Zirrhose oder Leberkrebs, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine NAFLD findet man jedoch auch bei schlanken Menschen. Diese Patienten haben entweder eine genetisch bedingte Veränderung des Unterhautfettgewebes (Lipodystrophie), erworbene Lipodystrophie-Syndrome oder eine HIV-Lipodystrophie, die alle durch eine dramatische Verringerung der Unterhaut-Fettmasse und eine Zunahme des Fettgewebes im Bauch und in der Leber gekennzeichnet sind.  

Thomas Eigentler und Diana Lomberg von der Universitäts-Hautklinik Tübingen sowie Jürgen Machann und Norbert Stefan von der Abteilung Innere Medizin IV des Universitätsklinikums Tübingen, des Helmholtz Zentrums München und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) haben jetzt eine neue Ursache für die erworbene Lipodystrophie entdeckt. Sie berichten über den Fall einer 45-jährigen Patientin mit der Diagnose Malignes Melanom, ein Hautkrebs, der mit dem programmierten Zelltodprotein-1 (PD-1)-Inhibitor (Immuncheckpoint-Inhibitor) Nivolumab wirksam behandelt wurde. Dieser und andere Immuncheckpoint-Inhibitoren haben die Behandlung von Krebs, insbesondere des Malignen Melanoms, revolutioniert.

Die Therapie mit diesen Immuncheckpoint-Inhibitoren ist jedoch auch mit unerwünschten Ereignissen verbunden, die häufig die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Lunge und das endokrine System betreffen. Gegen Ende der Behandlung mit Nivolumab fanden Stefan und Kollegen bei ihrer Patienten sehr hohe Lipidwerte, einen neu entwickelten Diabetes und eine schwere Form einer NAFLD. Dies kam völlig unerwartet, insbesondere weil die Patientin 31 kg Körpergewicht verloren hat. Die Gewebebiopsie ihres Unterhaut-Fettgewebes und die Magnetresonanztomographie ergaben die Diagnose einer erworbenen Lipodystrophie mit einer schweren Form der Entzündung ihres Fettgewebes. Dies könnte bei der Patientin durch die immunmodulatorische Funktion von Immuncheckpoint-Inhibitoren ausgelöst worden sein, zumal bei der Patientin zuvor eine asymptomatische Mastozytose, eine immunzellbezogene Störung, diagnostiziert wurde. Eine intensive pharmakologische Behandlung, insbesondere mit Pioglitazon, das eine Zunahme des Unterhaut-Fettgewebes herbeiführt, resultierte darin, dass ihr Leberfett, ihre Leberenzyme und ihre Lipidwerte wieder fast Werte im Normalbereich lagen.

Norbert Stefan, der Professor für Diabetologie an der Universität Tübingen und Gastprofessor an der Harvard Medical School in Boston ist, kommt zu dem Schluss, dass "es wichtig ist, dass Kliniker, die Patienten mit Checkpoint-Inhibitoren behandeln, sich eines neu identifizierten unerwünschten Ereignisses im Zusammenhang mit einer solchen Therapie bewusst sind. Es kann eine Entzündung des Fettgewebes auftreten, die zu einer schweren Fettleber führt. Bei diesen Patienten könnte eine spezifische Pharmakotherapie hilfreich sein, die Mechanismen zur Erhöhung der Unterhaut-Fettmasse, und damit zur Aufbewahrung der Lipide in einem sicheren Stauraum beinhaltet.

 

Original-Publikation:
Eigentler T, Lomberg D, Machann J, Stefan N. Lipodystrophic Nonalcoholic Fatty Liver Disease Induced by Immune Checkpoint Blockade, Annals of Internal Medicine (2020).

Kontakt:
Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung IV
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
Tel: +49 (0)7071 29-80390
norbert.stefan(at)med.uni-tuebingen.de

Pressekontakt

Birgit Niesing


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