Ursachen und Behandlung der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (MAFLD)
Koordinatoren:
Michael Roden | Andreas Birkenfeld | Norbert Stefan
Mitglieder der Academy
Mitglieder der Academy
Andreas Birkenfeld, IDM
Triantafyllos Chavakis, PLID
Ünal Coskun, PLID
Bedair Dewidar, DDZ
Daniel Dörr, DDZ
Stephan Herzig, HMGU
Andrea Icks, DDZ
Wenke Jonas, DIfE
Stefan Kabisch, Charité
Sabine Kahl, DDZ
Maximilian Kleinert, DIfE
Stefan Kopf, Lübeck
Natalie Krahmer, HMGU
Eckhard Lammert, DDZ
Knut Mai, Charité
Andreas Peter, IDM
Michael Roden, DDZ
Annette Schürmann, DIfE
Norbert Stefan, IDM
Oana Patricia Zaharia, DDZ
Anja Zeigerer, HMGU
Stoffwechselbedingte Fettlebererkrankungen (MASLD) sind nicht nur eine häufige Ursache, sondern auch eine bislang unterschätzte Komplikation bei Prädiabetes und Typ-2-Diabetes. DZD-Forschende arbeiten an einer präzisen Behandlung des (Prä-)Diabetes und führen dazu translationale Studien durch – von experimentellen Modellen bis hin zu Untersuchungen am Menschen.
Metabolisch bedingte Fettlebererkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen. In Deutschland sind mehr als 18 Millionen Menschen betroffen. Bis zu 75 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln im Verlauf eine MASLD – einhergehend mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sowie weiteren diabetesassoziierten Begleiterkrankungen. Die Liver Academy erforscht die Ursachen von MASLD und ihrer entzündlichen Verlaufsform (MASH) – insbesondere im Kontext von (Prä-)Diabetes. Ziel ist es, innovative Ansätze zur Prävention und Therapie zu entwickeln. Interdisziplinäre Teams arbeiten translational an präklinischen und klinischen Projekten, um neue Behandlungsstrategien zu erproben und bestehende Leitlinien gezielt weiterzuentwickeln – mit direktem Nutzen für die Patientinnen und Patienten.
Schwerpunkte
- Identifizierung nicht-invasiver Biomarker und Entwicklung bildgebender Verfahren zur exakten Risikoeinstufung und Überwachung des Fortschreitens bzw. der Reaktion auf die Behandlung von MASLD.
- Identifizierung neuer Ursachen für die Krankheit und ihr Fortschreiten, um die Präzisionsmedizin zu verbessern und insbesondere leber- und diabetesbedingte Ereignisse bei MASLD zu verhindern.
- Erprobung neuer Behandlungskonzepte für MASLD, insbesondere MASH, mit Schwerpunkt auf maßgeschneiderten Lebensstilinterventionen und metabolisch aktiven Medikamenten, um personalisierte Behandlungsansätze zu entwickeln.
Neue Biomarker und bildgebende Verfahren
In Zusammenarbeit mit der Betacell Academy konnte gezeigt werden, dass bestimmte Leberhormone (Hepatokine) das Diabetesrisiko erhöhen können. Besonders die Hemmung des Leberproteins Hepcidin beeinflusst die Insulinfreisetzung negativ. Diese Forschung unterstützt die Entwicklung neuer Marker zur individuellen Risikobewertung für MASLD-Komplikationen. Auch hormonelle Faktoren spielen eine Rolle: Die Wachstumsfaktoren IGF-1 und IGFBP-1 sagen voraus, wie gut sich Leberfett und viszerales Fett durch Lebensstilveränderungen reduzieren lassen.
DZD-Forschende etablierten magnetresonanzbasierte Methoden zur Messung des Leberenergiestoffwechsels in Mausmodellen und beim Menschen. In Zusammenarbeit mit den Academies für Prävention und Komplikationen wurden zudem Verfahren zur Validierung der Leberfibrose-Diagnostik entwickelt. Gemeinsam mit der Identifikation blutbasierter Biomarker können diese neuen bildgebenden Verfahren künftig dazu beitragen, die Diagnostik und Therapiekontrolle bei MASLD deutlich zu verbessern.
Neue Behandlungsansätze
In von DZD-Forschenden initiierten, randomisierten klinischen Studien wurden erfolgreiche Behandlungsansätze für MASLD getestet. Dabei wurden sowohl die optimale Zusammensetzung von Fetten und Proteinen in Mahlzeiten als auch die Wirkung stoffwechselaktiver Medikamente (SGLT2-Inhibitoren mit oder ohne GLP-1-Rezeptoragonisten) untersucht – mit Ergebnissen, die für zukünftige Leitlinien von Bedeutung sind.
Analysen der PLIS-Studie zeigten, dass ein hoher Leberfettgehalt im Hochrisiko-Cluster 5 mit einer ausbleibenden Verbesserung der Insulinsekretion einher geht. Auch bei Typ-2-Diabetes wurde festgestellt: Wenn sich viel Fett in der Leber ansammelt, wird Insulin langsamer aus dem Blut entfernt. Das deutet darauf hin, dass Leber und Bauchspeicheldrüse eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen.
DZD-Forschende waren an der Einführung eines Lebergesundheits-Checks bei Menschen mit Typ-2-Diabetes beteiligt. Diese Maßnahme ist Teil einer globalen Initiative zur Umsetzung einer personalisierten Gesundheitsversorgung bei Diabetes.
Publikationen
Kupriyanova Y et al. Early changes in hepatic energy metabolism and lipid content in recent-onset type 1 and 2 diabetes mellitus. J Hepatol (2021). https://doi.org/10.1016/j.jhep.2020.11.030
Sekar R et al. Vps37a regulates hepatic glucose production by controlling glucagon receptor localization to endosomes. Cell Metab (2022). https://doi.org/10.1016/j.cmet.2022.10.013
Stefan N et al. The Role of hepatokines in NAFLD. Cell Metab (2023). https://doi.org/10.1016/j.cmet.2023.01.006
Kahl S et al. Dysglycemia and liver lipid content determine the relationship of insulin resistance with hepatic OXPHOS capacity in obesity. J Hepatol (2024). https://doi.org/10.1016/j.jhep.2024.08.012
Sanyal A et al. Phase 3 Trial of Semaglutide in Metabolic Dysfunction–Associated Steatohepatitis. NEJM (2025). https://doi.org/10.1056/NEJMoa2413258