Prävention des Typ-1-Diabetes
Koordinatoren:
Carolin Daniel | Ezio Bonifacio | Anette-Gabriele Ziegler
Typ-1-Diabetes (T1D) früh erkennen, verstehen und verhindern – das ist das Ziel der T1D Academy. Mit innovativer Forschung will sie herausfinden, wie die Krankheit entsteht, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen und wie man die körpereigene Abwehr so beeinflussen kann, dass die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse geschützt bleiben.
Die chronische Autoimmunerkrankung T1D beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Sie entsteht, wenn das Immunsystem die Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse spielen bei Krankheitsentstehung eine Rolle. Die Typ-1-Diabetes Academy verfolgt das Ziel, die zugrunde liegenden Mechanismen der Erkrankung besser zu verstehen und innovative Therapieansätze zu entwickeln, die gezielt das Immunsystem modulieren. Ihre Schwerpunkte setzt T1D Academy gezielt, um insbesondere die klinische Umsetzung neuer Erkenntnisse zu fördern.
Schwerpunkte
- Identifikation von Markern zur Risikostratifizierung und Definition von T1D-Subtypen.
- Entwicklung von immunmodifizierenden Therapiestrategien, die den Ausbruch der Erkrankung verzögern oder verhindern.
- Identifizierung von Umwelt-Risikofaktoren.
Risikogruppen identifizieren
DZD-Forschende haben einen Test (genetischen Risiko-Score) zur frühzeitigen Erkennung eines erhöhten Erkrankungsrisikos für T1D im Säuglingsalter entwickelt und diesen in verschiedene Bevölkerungs-Screenings in Europa eingeführt. Bereits mehr als 500.000 Kinder wurden in Studien des internationalen Konsortiums Global Platform for the Prevention of Autoimmune Diabetes (GPPAD) auf genetische Risikomarker getestet. Familien mit betroffenen Kindern können an klinischen Präventions-Studien teilnehmen, die die vorbeugende Wirkung von oralem Insulin, Probiotika oder Impfungen gegen COVID untersuchen. Dieses Angebot nutzen bereits etwa 2000 Familien.
Bisher wurden im Rahmen der Fr1da-Studie mehr als 185.000 Kinder auf Inselautoantikörper untersucht sowie
Kinder mit Frühstadium-T1D eingestuft, geschult und regelmäßig überwacht. Die frühzeitige Erkennung hilft Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden und T1D gezielter zu behandeln.
Charakterisierung von Subtypen des Typ-1-Diabetes
Die Analyse von Proben und Daten der DiMelli-Studie sowie der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) führte zur Charakterisierung von sieben verschiedenen T1D-Subtypen. Diese Subtypen unterscheiden sich in Genetik, Entzündungsmarkern, familiärer Diabetesgeschichte, Insulinbehandlung, Insulinsensitivität und Insulinautoimmunität. Die Identifizierung dieser Subtypen ermöglicht eine präzisere Vorhersage, Prävention und Behandlung von T1D.
Entwicklung von Therapiestrategien
Bei Autoimmunerkrankungen wie T1D ist die Funktion regulatorischer T-Zellen (Tregs) eingeschränkt, die im gesunden Zustand überschießende Immunreaktionen verhindern. DZD-Forschende untersuchen die molekularen Grundlagen, die zu diesen Beeinträchtigungen beitragen. Es konnten bereits mehrere relevante Signalwege identifiziert und darauf aufbauend erste vielversprechende Therapieansätze entwickelt werden.
Publikationen
Lugar et al. SARS-CoV-2 Infection and Development of Islet Autoimmunity in Early Childhood. JAMA (2023). https://doi.org/10.1001/jama.2023.16348
Warncke, Weiss et al. Elevations in blood glucose before and after the appearance of islet autoantibodies in children. JCI (2022). https://doi.org/10.1172/JCI162123
Tutino et al. Genetics of circulating proteins in newborn babies at high risk of type 1 diabetes. Nat Com (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-58972-3
Apaolaza P et al. Islet expression of type I interferon response sensors is associated with immune infiltration and viral infection in type 1 diabetes. Sci Adv (2021). https://doi.org/10.1126/sciadv.abd6527
Becker M et al. Niche-specific control of tissue function by regulatory T cells — Current challenges and perspectives for targeting metabolic disease. Cell Metab (2024). https://doi.org/10.1016/j.cmet.2023.12.019
GPPAD
Die Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes (GPPAD) ist ein Zusammenschluss mehrerer akademischer Forschungseinrichtungen und Kliniken in Europa mit dem Ziel, eine internationale Infrastruktur für Studien zur Vorbeugung der Entstehung von Typ-1-Diabetes zu etablieren. Alle GPPAD-Studien werden vom DZD-Partner Helmholtz Zentrum München geleitet.