Dr. Martin Schön stammt aus Bratislava in der Slowakei, studierte dort Medizin und kam für die Forschung nach Deutschland. Im Jahr 2018 absolvierte er ein sechsmonatiges Forschungspraktikum am Monash Centre for Health Research and Implementation an der Monash University in Melbourne, Australien. Seit 2020 ist er Assistenzarzt in der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und forscht am DDZ in Düsseldorf zur Vielfalt des Typ-2-Diabetes. Sein Ziel: die Diabetes-Subtypen besser zu verstehen und Wege zu finden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Für den 35-Jährigen ist die Auszeichnung ein wichtiger Schritt in seiner Karriere als Arzt und Wissenschaftler: „Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, die Mentoren, die mich inspiriert haben, und die Orte, die ich sehen durfte. Jede Anerkennung meiner Arbeit motiviert mich, noch besser zu werden, indem ich einen Schritt nach dem anderen mache.“
„Dr. Martin Schön gehört zu einer neuen Generation von Diabetesforschenden, die Präzisionsmedizin in die klinische Praxis bringen wollen“, betont Prof. Michael Roden, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Dass er für diese Arbeiten auf europäischer Ebene ausgezeichnet wird, ist ein großartiger Erfolg – sowohl für ihn persönlich als auch für das DDZ.“
Heterogenität von Diabetes im Fokus
Diabetes mellitus ist keine einheitliche Erkrankung. Insbesondere bei Typ-2-Diabetes zeigen sich große Unterschiede im Krankheitsverlauf, im Stoffwechselprofil und bei den Risiken für Folgeerkrankungen. Forschende weltweit arbeiten daran, diese Vielfalt besser zu verstehen – mit dem Ziel, Therapien individueller und wirksamer zu gestalten. Denn während einige Menschen früh Komplikationen entwickeln, bleiben andere trotz ähnlicher Blutglukosewerte von Folgeerkrankungen verschont.
„Allein Blutglukosewerte reichen nicht aus, um die Unterschiede zwischen Patientinnen und Patienten zu erklären“, sagt Schön. „Das Wissen um die Heterogenität von Diabetes hilft uns, Menschen mit Diabetes individueller zu betrachten und das Risiko für Folgeerkrankungen genauer einzuschätzen.“
Genau hier setzt seine Arbeit an. Unter der Leitung von Prof. Robert Wagner, Leiter des Zentrums für klinische Studien am DDZ, konnte Schön zeigen, dass neun leicht messbare Werte, die alle einfach, kostengünstig und schnell in der klinischen Praxis zu ermitteln sind, ausreichen, um Menschen mit Diabetes sinnvoll voneinander zu unterscheiden. Diese Einteilung wiederum gibt Hinweise darauf, welche Personen besonders für Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber oder Nervenschäden gefährdet sind.
Förderung für Zukunftsprojekt mit CGM
Zusätzlich zum Rising Star Award erhält Dr. Schön auf der EASD den EFSD/Novo Nordisk Foundation Future Leaders Award – ein renommiertes Förderprogramm, das jährlich bis zu vier herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Diabetesforschung in Europa auszeichnet.
Mit den Mitteln plant Schön, die Klassifikation von Prädiabetes und Typ-2-Diabetes neu zu denken. Statt sich allein auf Grenzwerte der Blutglukose zu verlassen, möchte er Daten aus kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM) nutzen, um das individuelle Stoffwechselprofil feiner zu charakterisieren.
„Ich bin überzeugt, dass eine CGM-gestützte Einteilung den Weg für Präzisionsmedizin in der Diabetologie ebnen kann“, sagt Schön. „So könnte zum Beispiel die Veränderung des Blutzuckers nach dem Essen zeigen, welche Personen besonders von einer GLP‑1-Therapie profitieren – ein großer Schritt zu individuell abgestimmten Behandlungen.“
Hintergrund: Rising Star Award und Future Leaders Award
Der Rising Star Award der EASD wird jährlich an vier exzellente junge Forschende verliehen, die mit innovativen Projekten neue Wege in der Diabetologie eröffnen. Die Preisträger stellen ihre Arbeiten in einer eigenen Session auf der EASD-Jahrestagung vor.
Das Future Leaders Award Programme, gefördert von der EFSD und der Novo Nordisk Foundation, unterstützt junge Forschende auf ihrem Weg zur wissenschaftlichen Eigenständigkeit. Ziel ist es, die nächste Generation herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der europäischen Diabetesforschung zu fördern und ihre Karriere zu stärken.
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Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) versteht sich als deutsches Referenzzentrum zum Krankheitsbild Diabetes. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Gleichzeitig soll die epidemiologische Datenlage in Deutschland verbessert werden. Federführend leitet das DDZ die multizentrisch aufgebaute Deutsche Diabetes-Studie. Es ist Ansprechpartner für alle Akteure im Gesundheitswesen, bereitet wissenschaftliche Informationen zum Diabetes mellitus auf und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das DDZ gehört der „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz“ (WGL) an und ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD e.V.).www.ddz.de
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der acht Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind Helmholtz Munich – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden von Helmholtz Munich am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. www.dzd-ev.de