Immunbalance als Schlüssel zur Prävention von Typ-1-Diabetes

DZD News

Eine gemeinsame Studie von Helmholtz Munich, dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und der Goethe-Universität Frankfurt zeigt, wie ein neuartiges Medikament durch die Wiederherstellung des immunologischen Gleichgewichts dazu beitragen könnte, Typ-1-Diabetes vorzubeugen. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift 'Molecular Metabolism' veröffentlicht.

Mehr als nur Symptombehandlung erforderlich

Typ-1-Diabetes (T1D) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, was zu einer lebenslangen Insulinabhängigkeit und schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führt. Während eine frühzeitige Diagnose bei der Behandlung der Krankheit helfen kann, suchen Forscher dringend nach Therapien, die über die Symptombehandlung hinausgehen und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder stoppen können.

Ein neues Ziel: der Stoffwechsel der Immunzellen

In einer gemeinsamen Studie haben Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) an der Forschungsgruppe Typ-1-Diabetes-Immunologie (TDI) voon Helmholtz Munich zusammen mit Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt einen vielversprechenden neuen Therapieansatz identifiziert. Ihre Studie zeigt das Potenzial von Vidofludimus Calcium, einem immunmodulatorischen Medikament der nächsten Generation, den Verlauf von T1D durch die Blockierung eines wichtigen Stoffwechselwegs in Immunzellen zu verändern.

Vidofludimus Calcium, das sich derzeit in klinischen Studien der Phase 3 zur Behandlung von Multipler Sklerose befindet und von Immunic Therapeutics entwickelt wurde, hemmt selektiv das Enzym Dihydroorotatdehydrogenase (DHODH). Dieses Enzym spielt eine entscheidende Rolle bei der Pyrimidinsynthese, die für die Vermehrung schnell teilender Immunzellen, die an der Autoimmunität beteiligt sind, unerlässlich ist.

Immunmodulation in präklinischen Modellen

In zwei verschiedenen präklinischen Mausmodellen für T1D reduzierte die Behandlung mit Vidofludimus Calcium die Krankheitsinzidenz signifikant. Auf zellulärer Ebene verringerte das Medikament einerseits die Aktivierung pathogener T-Zellen und erhöhte andererseits die Häufigkeit schützender regulatorischer T-Zellen (Tregs) – einer Untergruppe von Immunzellen, die für die Unterdrückung von Autoimmunreaktionen entscheidend sind.

„Mit dieser Veröffentlichung entdecken wir zum ersten Mal, dass die Hemmung des Enzyms DHODH immunprotektive Tregs während der Inselautoimmunität fördert und das Fortschreiten zu manifestem T1D in präklinischen Modellen verzögert“, sagt Prof. Carolin Daniel, die korrespondierende Autorin der Studie.

Auf dem Weg zu einer immunbasierten Krankheitsmodifikation

Diese Ergebnisse stellen einen entscheidenden Schritt in Richtung immunmodulatorischer Therapien für T1D dar, die über die Symptombehandlung hinausgehen und direkt auf die zugrunde liegende Autoimmunreaktion einwirken. Durch die Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen schädlichen und schützenden Immunzellen könnten solche Ansätze eine Möglichkeit bieten, das Fortschreiten von autoimmunem Diabetes bei Risikopersonen zu verlangsamen oder zu verhindern.

 

Original-Publikation:
Hipp et al., 2025: Inhibition of pyrimidine de novo synthesis fosters Treg cells and reduces diabetes development in models of Type 1 Diabetes. Molecular Metabolism. DOI: 10.1016/j.molmet.2025.102218

Birgit Niesing
Birgit Niesing

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit