Impfstoffe, Krebsmedikamente oder Organtransplantationen – viele solcher medizinischen Errungenschaften wären ohne Tierversuche nicht möglich gewesen. Dennoch stellen sie ein moralisches Dilemma dar, das die Wissenschaft und auch die Öffentlichkeit beschäftigt. Fest steht: Niemand macht gerne Tierversuche und in einer idealen Welt wären sie längst überflüssig.
Tatsächlich kommen wir dieser Welt immer näher, denn Zellkulturen und digitale Simulationen auf Basis künstlicher Intelligenz stellen realistische Alternativen dar, um Tierversuche zu reduzieren oder gar zu ersetzen. Aber: Wie weit sind diese Verfahren wirklich? Was können sie leisten und wo stoßen sie an Grenzen?
Zwischen ethischer Verantwortung und wissenschaftlicher Notwendigkeit
Über diese und weitere Fragen diskutierte Rachel Lippert mit dem Organ-on-Chip-Experten Prof. Peter Loskill von der Universität Tübingen und der Biowissenschaftlerin Dr. Louise von Stechow. Das Interesse an der Debatte war groß – immerhin war die historische Hörsaalruine der Charité bis auf den letzten Platz besetzt.
Die Frage, ob Tierversuche in der biomedizinischen Forschung noch notwendig sind oder längst durch alternative Methoden ersetzt werden könnten, beleuchteten die Expert:innen aus ethischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive. Moderiert wurde der Abend von Amna Franzke von ZEIT Online und Rahel Klein von Deutschlandfunk Nova.
Während alternative Ansätze wie Organ-on-Chip-Systeme und in silico-Simulationen großes Interesse im Publikum weckten, waren sich die Diskutierenden darin einig, dass Tierversuche in der Grundlagenforschung und insbesondere im Bereich der Neurowissenschaften derzeit noch unverzichtbar sind.
„Tierversuche sind kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um komplexe biologische Zusammenhänge zu verstehen – etwa, wie Ernährung und Gehirnfunktion zusammenwirken“, betonte Lippert. „Gleichzeitig müssen wir kontinuierlich daran arbeiten, Alternativen zu entwickeln und wo immer möglich einzusetzen.“
Respektvoller und lebhafter Austausch
Über ein digitales Fragetool konnten die Gäste ihre Fragen an das Podium richten. Die Stimmung war lebhaft, respektvoll und von großem Interesse geprägt. Viele Zuhörende nutzten im Anschluss an die anderthalbstündige Diskussion die Gelegenheit, sich bei Snacks und Getränken mit den Expertinnen und Experten weiter auszutauschen.
„Der Abend gefiel mir sehr gut. Tierversuche sind aktuell und in naher Zukunft noch nicht vollständig ersetzbar, aber alle Methoden können sich in interdisziplinärer Zusammenarbeit gegenseitig ergänzen. In Kombination wird ein Schuh draus“, berichtet die Studentin Leah Köth.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weg „Beyond Tierversuche“ nur im Zusammenspiel von Wissenschaft, Ethik und technologischem Fortschritt gelingen kann – ein Thema, das Lippert und ihr Team auch in ihrer eigenen Forschung weiter vorantreiben.
Der aus der Veranstaltung resultierende Podcast ist hier verfügbar.