Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Baustein, um Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Doch profitieren auch alle Menschen gleichermaßen von einem gesunden Lebensstil? Oder hängt der schützende Effekt auch davon ab, wie hoch die individuelle Anfälligkeit für die Erkrankung ist?
Dieser Frage gingen Forschende um Christine El-Khoury und Matthias Schulze vom DIfE und DZD nach. Sie untersuchten dabei sowohl die genetische Veranlagung für Typ-2-Diabetes, die mithilfe polygenetischer Risikowerte erfasst wurde, als auch epigenetische Merkmale mit Diabetesbezug auf Basis von DNA-Methylierungsmustern.
Gesunde Ernährung schützt unabhängig vom genetischen Risiko
Für ihre Analysen nutzten die Forschenden Daten der EPIC-Potsdam-Studie*, einer bevölkerungsbasierten Langzeitstudie mit mehr als 27.000 Teilnehmenden, die seit den 1990er-Jahren wissenschaftlich begleitet werden. Für die Untersuchung standen genetische Daten von 2.204 Personen aus einer zufällig ausgewählten Subkohorte sowie von 750 Menschen mit neu aufgetretenem Typ-2-Diabetes zur Verfügung. Die Analysen der DNA-Methylierung umfassten 1.065 Teilnehmende der Subkohorte und 676 Diabetesfälle.
Um die Ernährungsqualität zu bewerten, nutzten die Forschenden verschiedene wissenschaftlich etablierte Verfahren. Diese erfassen unter anderem, wie ausgewogen die Ernährung ist und wie stark sie entzündungsfördernde oder gesundheitsfördernde Eigenschaften aufweist.
Die Auswertung zeigte keinen Hinweis, dass die genetische Veranlagung für Typ-2-Diabetes den Zusammenhang zwischen Ernährungsqualität und Typ-2-Diabetes-Risiko beeinflusst.
Hinweise auf eine Rolle epigenetischer Faktoren
Anders fiel das Ergebnis bei den epigenetischen Merkmalen aus. Dabei handelt es sich um chemische Veränderungen (Methylierungen) an der DNA, die die Aktivität von Genen beeinflussen können, ohne die Erbinformation selbst zu verändern. Solche Veränderungen werden unter anderem durch Alter, Lebensstil und Umwelteinflüsse geprägt.
Die Autorinnen und Autoren fassten Methylierungsmuster, die in bisherigen Studien mit einem erhöhten Typ-2-Diabetesrisiko assoziiert waren, in einem sogenannten Methylation Risk Score (MRS) zusammen. „Auch in EPIC-Potsdam zeigte sich: Je höher dieser Wert war, desto größer war das Risiko, im späteren Verlauf an Typ-2-Diabetes zu erkranken“, sagt Erstautorin El-Khoury.
Darüber hinaus fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass diese epigenetischen Veränderungen den Zusammenhang zwischen Ernährungsqualität und Diabetesrisiko beeinflussen könnten. So deuteten die Analysen darauf hin, dass die Wirkung unterschiedlicher Ernährungsweisen je nach epigenetischem Risikoprofil variieren könnte. Eine Ernährung reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und pflanzlichen Fetten sowie wenig rotem und verarbeitetem Fleisch und zuckergesüßten Getränken war vor allem bei Studienteilnehmenden mit geringerem epigenetischen Risiko (kleinerer MRS-Wert) mit einem geringeren Diabetesrisiko assoziiert. Dagegen schienen Studienteilnehmende mit höheren MRS-Werten nicht zu profitieren.
Perspektiven für eine personalisierte Diabetesprävention
Die Studie eröffnet neue Perspektiven für eine stärker personalisierte Diabetesprävention. Langfristig könnten epigenetische Merkmale helfen, Präventionsstrategien gezielter auf einzelne Menschen abzustimmen.
Bis daraus individuelle Ernährungsempfehlungen abgeleitet werden können, ist jedoch noch weitere Forschung nötig. „Wir verstehen unsere Ergebnisse als einen wichtigen Hinweis darauf, welche biologischen Faktoren für eine künftige Präzisionsprävention relevant sein könnten“, sagt Schulze. „Der nächste Schritt ist nun, diese Zusammenhänge in unabhängigen Studien zu überprüfen.“
*Hintergrund: EPIC-Potsdam
Die EPIC-Potsdam-Studie ist Teil der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC). Zwischen 1994 und 1998 wurden 27.548 Frauen und Männer im Alter von 35 bis 65 Jahren aus der Potsdamer Bevölkerung in die Kohorte aufgenommen. Neben Ernährungs- und Lebensstildaten wurden unter anderem Blutproben und anthropometrische Messwerte erhoben. Die Teilnehmenden wurden anschließend regelmäßig nachbeobachtet.
Für die aktuelle Untersuchung analysierten die Forschenden eine Fall-Kohorten-Stichprobe. Neu aufgetretene Fälle von Typ-2-Diabetes wurden ärztlich bestätigt.
Original-Publikation:
El-Khoury C, Eichelmann F, Jannasch F, Schulze MB: Epigenetic and Genetic Factors Modifying the Association between Diet Quality and Incident Type 2 Diabetes: The EPIC-Potsdam Cohort. Cardiovascular Diabetology, DOI: 10.1186/s12933-026-03356-0
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Matthias Schulze
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: + 49 33 200 88 - 2434
E-Mail: mschulze@dife.de
Christine El-Khoury
Promovierende der Abteilung Molekulare Epidemiologie
Telefon: +49 33 200 88 - 2435
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Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die Mechanismen der Nahrungsauswahl und Präzisionsernährung. www.dife.de
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der acht Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind Helmholtz Munich – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden von Helmholtz Munich am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. www.dzd-ev.de