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DZD-Forscher Robert Wagner mit Präventionspreis geehrt

Nicht jeder, der eine Vorstufe des Diabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten hat, erkrankt auch an Typ-2-Diabetes. Robert Wagner vom DZD-Partner IDM an der Universität Tübingen und der Medizinische Klinik für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie des Universitätsklinikums Tübingen konnte zeigen, dass es sechs klar abgrenzbare Subtypen gibt, die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterscheiden. Für seine Erkenntnisse wurde er von der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) mit dem Präventionspreis 2021 ausgezeichnet.

Professor Dr. med Sebastian Schellong (rechts) überreichte Professor Dr. med. Robert Wagner (links) den Präventionspreis. Quelle: Sven Bratulic / DGIM

 

Um Menschen frühzeitig zu identifizieren, die ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen haben, untersuchte Professor Dr. med. Robert Wagner die Daten von diabetesgefährdeten, aber noch nicht erkrankten Personen. Die Probanden (n=899) stammten aus der Tübinger Familienstudie und der Studie des Tübinger Lebensstilprogramms, die in den vergangenen 25 Jahren wiederholt intensiv klinisch, laborchemisch, kernspintomografisch und genetisch untersucht wurden. Anhand von Parametern wie dem oralen Glucose-Toleranztest, Magnetresonanz-Messungen des Körper- und Leberfetts sowie genetischen Testungen konnte sein Team sechs unterschiedliche Cluster identifizieren: In drei Prädiabetes-Clustern war die Wahrscheinlichkeit zu erkranken eher gering, die drei anderen Patientengruppen jedoch zeigten ein hohes Erkrankungsrisiko für Typ-2-Diabetes, inklusive schwerwiegenderer Verläufe und Folgeerkrankungen. Bei einem Subtyp traten bereits vor einer Diabetesdiagnose Schädigungen der Niere auf. Hier ist auch die Sterblichkeit besonders hoch. Die Cluster-Einteilung konnte in einer britischen Studie mit mehreren tausend Teilnehmern bestätigt werden. 

„Die Erkenntnisse von Professor Wagner sind von großem Wert, weil sie zukünftig die Möglichkeit eröffnen könnten, individuelle Risiken und Verläufe des Typ-2-Diabetes besser und frühzeitiger einzuschätzen“, sagte Professor Dr. Stefan Frantz, der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Innere Medizin. „Sie könnten es beispielsweise möglich machen, auf einzelne Subtypen spezifisch zugeschnittene Überwachungs-, Präventions- und Therapieregime zu etablieren“, ergänzte Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. „Aufgrund dieser wichtigen Arbeit zeichnen wir Professor Dr. med. Robert Wagner mit dem diesjährigen Präventionspreis aus.“ 

„Herr Prof. Wagner und das ganze Team haben mit einer hoch innovativen Kombination von klinischer Forschung und Computational Science einen neuartigen Zugang zum Verständnis des Prädiabetes und der bereits in diesem Stadium beginnenden Komplikationen erbracht“, erklärte Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, Direktor der Klinik für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie und des IDM am Universitätsklinikum Tübingen und Co-Sprecher des DZD anlässlich der Auszeichnung 

Die Deutsche Stiftung Innere Medizin verleiht gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin den Präventionspreis für die beste aus dem deutschsprachigen Raum vorgelegte Arbeit in deutscher oder englischer Sprache auf dem Gebiet der Primär- und Sekundärprävention innerer Erkrankungen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.  

Weitere Informationen zur Arbeit von Prof. Wagner