CORONAVIRUS SARS-COV-2: FORSCHUNG IM DZD

Quelle: Pixabay/Pete Linforth

Weltweit arbeiten Forschende daran, mehr über die Verbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV‑2 sowie den Verlauf der Erkrankung Covid-19 zu erfahren. Zudem suchen sie nach Wirkstoffen, um die Erkrankung besser behandeln und einen schweren Verlauf von COVID-19 stoppen zu können. Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) beteiligt sich an verschiedenen Forschungsinitiativen und Studien. Zudem untersuchen DZD-Forschende, ob das Coronavirus SARS-CoV-2 für Menschen mit Diabetes besonders gefährlich ist und wie man die Stoffwechselerkrankung während der Pandemie managen kann. Hier ein Überblick, auch über gemeinsame Aktivitäten der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG).

Publikationen zu Diabetes und COVID-19

Mehr Infektionen als bekannt: Neue Studie zeigt Relevanz bevölkerungsweiter SARS-CoV-2-Antikörpertests auf
Eine neue Studie des DZD-Partners Helmholtz Zentrums München kommt zu dem Ergebnis, dass sechsmal mehr Kinder in Bayern mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert waren als gemeldet. Dies verdeutlicht die Relevanz bevölkerungsweiter Antikörper-Screenings zur Überwachung des Pandemieverlaufs. Die Studie beschreibt außerdem einen neuen Ansatz, um Antikörper gegen SARS-CoV-2 mit besonders hoher Genauigkeit zu messen.
Die Studienergebnisse sind gemeinsam mit einer Übersicht zur geografischen Verteilung der Antikörperhäufigkeit in einem monatlich aktualisierten Online-Dashboard verfügbar.
Weitere Informationen
Original-Publikation:
Hippich et al., 2020: Public health antibody screening indicates a six-fold higher SARS-CoV-2 exposure rate than reported cases in children. Med, DOI: 10.1016/j.medj.2020.10.003


SARS-CoV-2 kann Pankreas schädigen
Das Coronavirus SARS-CoV-2 kann auch die Bauchspeicheldrüse schädigen und so zu einem Typ-1-Diabetes führen. Das zeigt der Fall eines jungen Mannes (19 Jahre), den u.a. auch DZD-Forschende untersuchten.
Original-Publikation:
Hollstein, T. et al.:  Autoantibody-negative Insulin-dependent Diabetes Mellitus after SARS-CoV-2 infection: a case report. Nat Metab (2020). DOI: 10.1038/s42255-020-00281-8


Mehr Ketoazidosen...
Wie es um Fälle von Ketoazidose bei jungen Menschen mit neu aufgetretenem Diabetes während der ersten zwei Monate der COVID-19-Pandemie in Deutschland stand, untersuchten DZD-Forschende gemeinsam mit einem deutschlandweiten Team. Hintergrund der Untersuchung war die generell gesunkene Zahl von Arztbesuchen, die potentiell zu verspäteten medizinischen Diagnosen führte. Auch die Anzahl von gefährlichen Stoffwechselentgleisungen (Ketoazidose) ist während der Coronakrise bei Kindern und Jugendlichen signifikant gestiegen.
Original-Publikation:
Kamrath, C. et al. Ketoacidosis in Children and Adolescents With Newly Diagnosed Type 1 Diabetes During the COVID-19 Pandemic in Germany. JAMA 2020. doi:101001/JAMA.2020.13445

...aber kein signifikanter Anstieg von Typ-1-Diabetes
DZD-Forschende untersuchten auch den Einfluss des Corona-Lock Down auf Neuerkrankungen mit Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. Denn psychischer Stress ist ein Risikofaktor für Typ-1-Diabetes. Die Studie zeigte, dass der Lock Down in der Zeit von Mitte März bis Mitte Mai 2020 zu keinem signifikanten Anstieg geführt hat.
Original-Publikation:

Tittel, S.R., Rosenbauer, J. et al., Did the COVID-19 lockdown affect the incidence of paediatric type 1 diabetes in Germany? Diabetes Care. doi.org/10.2337/dc20-1633


Zusammenhang von COVID-19 und Adipositas?
Mehr Forschung zu den Zusammenhängen zwischen Fettleibigkeit, unverhältnismäßiger Fettverteilung sowie gestörter metabolischer Gesundheit und dem Schweregrad von COVID-19 fordern Autoren des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des Boston Children's Hospital und der Harvard T.H. Chan School of Public Health in einem Nature Reviews Endocrinology "Comment".
Original-Publikation:
Stefan N, Birkenfeld AL, Schulze MB, Ludwig DS. Obesity and impaired metabolic health in patients with COVID-19. Nat Rev Endocrinol. 2020, doi.org/10.1038/s41574-020-0364-6


Diabetesmanagement während der Pandemie
Ein internationales Gremium von Experten auf dem Gebiet von Diabetes und Endokrinologie – darunter auch Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) – hat praktische Empfehlungen für das Management von Diabetes während der Pandemie erstellt und in ‚Lancet Diabetes Endocrinology‘ (Personal View) veröffentlicht.
Original-Publikation:
Bornstein et al: Practical recommendations for the management of diabetes in patients with COVID-19. Lancet Diabetes Endocrinol. 2020 Apr 23. pii: S2213-8587(20)30152-2. DOI: 10.1016/S2213-8587(20)30152-2.

LEOSS: Fallregister mit klinischen Daten zu Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2 Infektion

Wann erkranken Patienten schwer nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV‑2? Wie kann man sie bestmöglich behandeln? Welche Maßnahmen waren bisher erfolgreich? Um diese und viele weitere Fragen zu Covid-19 beantworten zu können, benötigen die Ärztinnen und Ärzte sowie Forschende verlässliche klinische Daten. In dem Fallregister Lean European Open Survey on SARS-CoV-2 Infected Patients (LEOSS) werden klinische Daten für Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion gesammelt. Hierzu arbeiten alle Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung an dem von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) initiierten Projekt zusammen. So können z.B. auch Fragestellungen untersucht werden, ob und wie Vorerkrankungen den Krankheitsverlauf beeinflussen. Das DZD hat dazu wichtige Diabeteswerte zusammengestellt, die in LEOSS erfasst werden und beteiligt sich an den Partnerstandorten mit der Rekrutierung von Patienten. Ziel ist es, festzustellen, welchen Einfluss Übergewicht und Diabetes auf den Verlauf der Erkrankung haben.
https://leoss.net

WHO Solidarity Trial

Weltweit arbeiten Forschende daran, möglichst schnell Wirkstoffe zu finden, die einen schweren Verlauf von COVID-19 stoppen können. Hoffnung machen Medikamente, die bereits für andere Krankheiten wie zum Beispiel HIV oder Malaria zugelassen sind und im Labor sowie in einzelnen Heilversuchen Wirkung gegen das neue Coronavirus gezeigt haben. Vier besonders vielversprechende Wirkstoffe oder Wirkstoff-Kombinationen (Remdesivir, Chloroquin bzw. Hydroxychloroquin, Lopinavir und Ritonavir) hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgewählt, um sie in einem klinischen Studienprogramm in mehreren Ländern zu testen. In Deutschland übernimmt das DZIF gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Gesundheitsforschung die Aufgabe, diesen Solidarity Trial zu koordinieren. Er wird von allen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) unterstützt.
https://www.dzif.de/de/dzif-und-dzl-koordinieren-deutschland-den-who-solidarity-trial

Covid-19-Knowledge Graph: Wissen sichtbar machen

In dem Projekt COVID*Graph werden öffentlich zugängliche Literaturquellen, Patentschriften zu COVID-19 sowie Datensätze aus Genom- und molekularbiologischen Datenbanken verknüpft und in einem Knowledge Graph anschaulich dargestellt. Ziel ist es, Forschenden dabei zu helfen, sich schnell und effizient in den vielfältigen Daten zu COVID-19 zurechtzufinden. An dem Projekt ist das DZD Daten- und Wissensmanagement-Team federführend beteiligt. Da Menschen mit Diabetes eine höhere Inzidenz für schwere Komplikationen unter einer SARS-CoV-2-Infektion haben, erweitern DZD-Forschende u.a. die Datenintegrationstechnologie um diabetesrelevante Daten.
https://covidgraph.org/

Quelle: Screenshot covidgraph.org

Tests auf Antikörper in bestehenden Studien

Flächendeckende Antikörpertests gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 können helfen, realistische Werte über die Infektionshäufigkeit mit dem Erreger zu erhalten. Forschende der etablierten Screening-Studie „Fr1da plus“, die Kinder in Bayern auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes testen, beziehen diese Tests nun direkt in ihre Untersuchungen mit ein. Gemeinsam mit einem bestehenden Netzwerk aus rund 600 Kinder-und Jugendärztinnen und -ärzten und unter der Leitung des DZD-Partners Helmholtz Zentrum München könnten sie bis zu 65.000 Blutproben aus der Fr1da-plus-Studie nun auch auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 testen.
Zudem sind Partnerstandorte des DZD an Forschungsprojekten zur besseren Erfassung der Infektionshäufigkeit mit dem Erreger sowie zur besseren Diagnose von COVID-19 beteiligt, indem sie Kohorten, z.B. KORA und NAKO, für epidemiologische Fragen verwenden, die Prospective COVID-19 Cohort Munich starten und Assays zum Nachweis von Antikörpern gegen COVID-19 entwickeln. Auch in der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) wird erfasst, ob Menschen mit Diabetes an COVID-19 erkrankt sind.

Online-Studie LIFE & COVID

Eine neue Studie zum Thema Lebensstil und COVID-19 hat das Studienzentrums Diabetes des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München um PD Dr. Andreas Lechner aufgelegt. Inwieweit Lebensstilfaktoren, wie z. B. Ernährung und Sport, einen Einfluss auf die Schwere des Krankheitsverlaufs haben, wird im Laufe von 12 Monaten anhand von maximal vier Online-Befragungen erhoben. Die Rekrutierung der Teilnehmer wurde im Juli 2020 abgeschlossen.
Das Team um Dr. Lechner ist eine Klinische Kooperationsgruppe des DZD-Partners Helmholtz Zentrum München.

Informationen zu Corona und Diabetes auf diabinfo.de

Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass Menschen mit Diabetes verlässliche und wissenschaftlich geprüfte Informationen erhalten. Auf dem nationalen Diabetesinformationsportal www.diabinfo.de wurde dafür die Rubrik Diabetes und Coronavirus mit aktuellen Informationen und Anworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Diabetes und Corona eingerichtet.

Quelle: Screenshot