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Höchste Auszeichnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft für Martin Hrabĕ de Angelis

Die Paul-Langerhans-Medaille 2021 geht an Professor Dr. Dr. h.c. mult. Martin Hrabĕ de Angelis. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) würdigt damit seine herausragenden Leistungen bei der Erforschung der genetischen und epigenetischen Determinanten des Diabetes mellitus sowie seine hohen Verdienste um die Gründung und Entwicklung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).
EASD 2012 Berlin

Prof. Dr. Martin Hrabĕ de Angelis. Quelle: DZD

 

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft verleiht die nach dem deutschen Pathologen Paul Langerhans benannte Medaille an internationale Spitzenforscherinnen und -forscher der Diabetologie. In diesem Jahr erhält der international anerkannte Genetiker Martin Hrabĕ de Angelis die höchste Auszeichnung der DDG. Der Preisträger ist unter anderem Vorstand des DZD, Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München und Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Genetik an der Technischen Universität München. Die Paul-Langerhans-Medaille wird auf dem Diabetes-Online-Kongress am 14. Mai verliehen.

Martin Hrabĕ de Angelis beschäftigt sich in seiner Forschung u.a. mit dem Einfluss von Genetik und Epigenetik auf die Entstehung von Diabetes. Er und sein Team identifizieren in einem genomweiten Screen Netzwerke aus Genen, welche eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes spielen können1,2. Die Frage nach einer Vererbung erworbener Eigenschaften unabhängig von der DNA beschäftigt Martin Hrabĕ de Angelis und seine Kolleginnen und Kollegen seit vielen Jahren. Ein wichtiger Meilenstein war die Entdeckung, dass durch Ernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes sowohl über Eizellen als auch über Spermien epigenetisch* an die Nachkommen vererbt werden können3. Da epigenetische Vererbung im Gegensatz zur genetischen Vererbung prinzipiell reversibel ist, eröffnet dies neue Möglichkeiten, die Entstehung von Adipositas und Diabetes zu beeinflussen.

Ein wichtiges Anliegen ist es Hrabĕ de Angelis, Forschungsergebnisse schneller vom Labor in die Praxis zu bringen (Translation). Diesen translationalen Forschungsansatz verfolgt er u.a. auch als einer der Gründer und Vorstand des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD)4, das 2009 auf Initiative des Bundesministeriums für Forschung und Bildung ins Leben gerufen wurde. Im DZD arbeiten mehr als 400 Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen an der Entwicklung einer präzisen Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes.

„Die rasch weiter fortschreitende Diabetes-Epidemie stellt uns vor große Herausforderungen, die wir nur mit einem interdisziplinären, translationalen Forschungsansatz lösen können. In den vergangenen Jahren ist gelungen, wichtige Bausteine in der Diabetes-Entstehung zu entschlüsseln und neue Ansätze für die präzise Prävention und Therapie zu entwickeln. Die Paul Langerhans Medaille ist für mich eine große Ehre, aber auch ein großer Ansporn weiter daran zu arbeiten, dass die Volkskrankheit Diabetes künftig besser behandelt oder gar vermieden werden kann“, sagt der Preisträger Hrabĕ de Angelis.

Zur Person:
Martin Hrabĕ de Angelis studierte Biologie an der Philipps-Universität in Marburg und promovierte 1994 über den Einfluss von Wachstumsfaktoren auf die frühe Embryonalentwicklung. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter von 1994 bis 1997 am Jackson Laboratory in Bar Harbor (USA) untersuchte er den Delta-Notch-Signalweg und Modelle zur Somitogenese.

Seit 2000 leitet Martin Hrabĕ de Angelis als Direktor das Institut für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München und wurde 2003 auf den Lehrstuhl für Experimentelle Genetik an der Technischen Universität München berufen. Zugleich ist er Direktor des europäischen Forschungskonsortiums „INFRAFRONTIER“. 2001 gründete er die weltweit erste Einrichtung zur systemischen Analyse von Modellen für menschliche Erkrankungen. Forschungsschwerpunkt ist die Aufklärung von genetischen und epigenetischen Faktoren des Diabetes mellitus. Dabei nimmt die Entwicklung von Datenbanken und die Anwendung moderner Data-Mining-Methoden einen hohen Stellenwert ein. Martin Hrabĕ de Angelis ist Mitgründer von Biotech Start-Ups, erhielt für seine wissenschaftlichen Arbeiten zahlreiche nationale und internationale Ehrungen und wurde 2018 in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen.
 

* Epigenetik erforscht jene Eigenschaften von Genen, die nicht durch die DNA selbst, sondern durch deren Ablesebereitschaft in Erscheinung treten. Epigenetische Informationen werden durch Methylgruppen oder andere Biomoleküle vermittelt, die wie chemische Schlösser den Zugang zu bestimmten DNA-Sequenzen verwehren oder freigeben und so deren Aktivierbarkeit kontrollieren. Sie fungieren wie eine Art Schalter im Genom, die ein Gen ein- oder ausschalten.


1Rozman, J. et al. (2018): Identification of genetic elements in metabolism by high-throughput mouse phenotyping. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-017-01995-2

2Hrabe de Angelis, M et.al. (2015) Analysis of mammalian gene function through broad-based phenotypic screens across a consortium of mouse clinics Nature Genetics

3Huypens, P. et al. (2016). Epigenetic germline inheritance of diet induced obesity and insulin resistance. Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng.3527

4www.dzd-ev.de

 

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Sitzländern seiner Standorte. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. www.dzd-ev.de