Einsatz von Diabetestechnologien hängt auch vom sozioökonomischen Status ab

A Decade of Disparities in Diabetes Technology Use and HbA 1c in Pediatric Type 1 Diabetes: A Transatlantic Comparison. Diabetes Care, 2020

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Insulinpumpen, kontinuierliche Glukosemessgeräte (CGMs) – in den vergangenen zehn Jahren hat der Einsatz von Diabetestechnologien zum Management von Typ-1-Diabetes bei Kinder und Jugendlichen weltweit zugenommen. Forschende des DZD in Düsseldorf, München und Ulm haben gemeinsam mit Kollegen aus den USA untersucht, ob die Ungleichheit beim Zugang zu diesen Technologien aufgrund des sozioökonomischen Status (SES) auch zu unterschiedlich hohen Blutzuckerwerten (HbA1c) führt. Ihre Studie, die jetzt in ‚Diabetes Care‘ veröffentlicht wurde, zeigt „Ein Jahrzehnt der Ungleichheiten bei der Nutzung von Diabetestechnologien und HbA1c bei pädiatrischem Typ-1-Diabetes“.

Für die Studie haben die Forschenden den Einsatz von Diabetestechnologien sowie die HbA1c-Werte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren aus den Registern „Type 1 Diabetes Exchange“ (T1DX, USA, n = 16.457) und „Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation“ (DPV, Deutschland, n = 39.836) nach sozioökonomischem Status zwischen zwei Zeiträumen 2010-2012 und 2016-2018 untersucht. Dazu wurden die Register in Quintile (Fünftel) unterteilt. Zur Kategorisierung in Q1 (niedrigster SES) bis Q5 (höchster SES) wurden u.a. Versicherungsart, Bildungsgrad und Jahreseinkommen genutzt.

Dabei zeigte sich, dass Teilnehmer mit niedrigerem SES höhere HbA1c-Wert hatten (in den Jahren 2010-2012 und 2016-2018, jeweils: 8,0 % und 7,8 % in Q1 und 7,6 % und 7,5 % in Q5 für DPV; 9,0 % und 9,3 % in Q1 und 7,8 % und 8,0 % in Q5 für T1DX). Beim DPV-Register änderte sich der Zusammenhang zwischen SES und HbA1c zwischen den beiden Zeiträumen nicht. Bei den Probanden aus dem T1DX-Register nahmen die Unterschiede bei den HbA1c-Werten nach SES signifikant zu (P < 0,001). Nach Adjustierung für Technologieeinsatz änderten sich die Ergebnisse bei den Teilnehmern aus dem DPV-Register nicht, während der Anstieg bei den Probanden aus dem T1DX-Register nicht mehr signifikant war.

Obwohl keine kausalen Schlüsse gezogen werden können, ist im T1DX-Register bei Personen aus dem untersten SES-Quintil die Nutzung von Diabetestechnologie am niedrigsten und der HbA1c-Wert am höchsten. Die Unterschiede bei den HbA1c-Werten haben sich im vergangenen Jahrzehnt vergrößert. Im DPV-Register waren die Assoziationen von SES mit Technologieeinsatz und HbA1c schwächer.

Original-Publikation:
Addala et al.: A Decade of Disparities in Diabetes Technology Use and HbA 1c in Pediatric Type 1 Diabetes: A Transatlantic Comparison. Diabetes Care (2020); DOI: 10.2337/dc20-0257