Fett in der Bauchspeicheldrüse kann Insulinausschüttung beeinträchtigen

Pancreatic Steatosis Associates With Impaired Insulin Secretion in Genetically Predisposed Individuals. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2020
Human Body Organs Anatomy (Pancreas)

Quelle: Thinkstock/magicmine

 

Bei Personen mit einem hohen genetischen Risiko für Typ-2-Diabetes kann eine verfettete Bauchspeicheldrüse (Pankreas-Steatose) zu einer Verschlechterung der körpereigenen Insulinproduktion führen. Darauf deuten Untersuchungen des DZD hin, die jetzt in The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism erschienen sind.

Es ist bekannt, dass mehr Fett im Körper das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht. Es ist dafür aber entscheidend, wo im Körper das Fett abgelagert wird. Vor allem die Ansammlungen von Bauchfett und Leberfett galten bisher als gefährlich für den Stoffwechsel. Die Bauchspeicheldrüse spielt eine zentrale Rolle in der Entstehung von Diabetes. Welche Bedeutung eine Verfettung des Pankreas für den Stoffwechsels hat, ist bisher wenig untersucht. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine verfettete Bauchspeicheldrüse die Insulinausschüttung beeinträchtigt. Allerdings zeigt sich bei Menschen mit normalem Zuckerstoffwechsel kein negativer Zusammenhang zwischen Pankreas-Steatose und der Insulinsekretion. Forschende des DZD in Tübingen vermuteten, dass eine Pankreas-Steatose sich nur bei einer genetischen Veranlagung für Typ-2-Diabetes negativ auf die körpereigene Insulinproduktion auswirkt.

Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchten sie, wie die Wechselwirkung von genetischer Veranlagung und Fetteinlagerung in der Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion beeinflusst. Dazu werteten sie die Daten von 360 nicht-diabetischen Probanden der Tübinger Familienstudie (TUEF) mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes sowie die Daten von 64 Patienten aus, deren Bauchspeicheldrüse operativ entfernt werden musste. Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) und mikroskopischer Untersuchung von Gewebeproben wurde der Fettgehalt der Bauchspeicheldrüse gemessen. Darüber hinaus wurde der genetische Risiko-Score für Typ-2-Diabetes bestimmt. Die Insulinsekretion haben die Forschenden mit dem oralen Glukosetoleranztest und der Nüchtern-Blutentnahme vor der Operation ermittelt.

Dabei zeigte sich eine schlechtere Insulinproduktion, wenn zu einem hohen genetischen Diabetes-Risiko auch eine Verfettung der Bauchspeicheldrüse bestand. Bei Personen mit niedrigem genetischen Risiko war das Pankreasfett nicht mit negativen Effekt vergesellschaftet. Die Forschenden vermuten, dass erst eine genetisch bedingte Insulinresistenz dazu führt, dass Pankreasfett für die Insulinsekretion schädlich wird.

Original-Publikation:
Róbert Wagner et al: Pancreatic Steatosis Associates With Impaired Insulin Secretion in Genetically Predisposed Individuals. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Volume 105, Issue 11, November 2020, dgaa435, https://doi.org/10.1210/clinem/dgaa435