Wie Insulin im Gehirn auf den Stoffwechsel und das Hungergefühl wirkt

Central nervous pathways of insulin action in the control of metabolism and food intake. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2020

Quelle: ElisaRiva/pixabay

 

Das Gehirn ist ein insulinsensitives Organ. So reagiert eine Reihe von Gehirngebieten auf Insulin, etwa Areale, die für die Nahrungsaufnahme, den Stoffwechsel und das Gedächtnis wichtig sind. In einem Review-Artikel in The Lancet Diabetes & Endocrinology geben DZD-Forschende einen Überblick über aktuelle Studien, die die Wirkung von Insulin im Gehirn auf den Stoffwechsel und auf unser Essensverhalten untersuchen. Reagiert das Gehirn wenig oder gar nicht auf Insulin, könnte dies zu einem veränderten Essensverhalten und zu Stoffwechselerkrankungen führen.

Erkenntnisse aus der Humanforschung legen nahe, dass eine hohe Insulinsensitivität im Gehirn die Insulinsensitivität des ganzen Körpers erhöht und die Glukoseproduktion unterdrückt. Darüber hinaus dämpft Insulin im Gehirn die Nahrungsaufnahme. So werden Essensreize reduziert und die kognitive Kontrolle erhöht.

Untersuchungen bei Tier und Mensch zeigen zudem, dass Belohnungssysteme im Gehirn fein auf Insulin reagieren und hauptsächlich über das Dopaminsystem gesteuert werden. Diese Mechanismen sind bei Menschen mit Adipositas gestört, was ihr Risiko erhöhen könnte, an Typ-2-Diabetes und damit verbundenen Krankheiten zu erkranken.

Insgesamt heben die aktuellen Erkenntnisse die Rolle der Insulinwirkung im Gehirn und ihre Folgen für den peripheren Stoffwechsel und die Wahrnehmungsprozesse hervor.

Original-Publikation:
Kullmann et al: Central nervous pathways of insulin action in the control of metabolism and food intake. The Lancet Diabetes & Endocrinology (2020), DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(20)30113-3