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News

Geht raus zum Spielen!

Auch Kinder mit einem erstgradigen Verwandten mit Typ-1- oder Schwangerschaftsdiabetes können ihre Insulinsensitivität durch Bewegung verbessern. Somit ist Bewegung nicht nur bei Kindern mit einem Typ-2-Risiko eine sinnvolle Präventionsstrategie. Darauf schließen Forscherinnen und Forscher des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, anhand einer Studie im Magazin ‚Diabetic Medicine‘.

Quelle: Daniel Kocherscheidt / pixelio.de

 

Kinder und Jugendliche mit einem erstgradig verwandten Typ-1-Diabetespatienten in der Familie haben im Verlauf des Lebens ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und dadurch auch für eine Insulinresistenz, eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes. „Bislang war aber unklar, ob sich dieses Risiko, ähnlich wie bei Ty-2, durch körperliche Aktivität verringern lässt“, erklärt PD Dr. Andreas Beyerlein die Fragestellung der aktuellen Arbeit. Er ist Statistiker und Epidemiologe am Helmholtz Zentrum München und leitete die Studie gemeinsam mit Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des dortigen Instituts für Diabetesforschung (IDF) und Leiterin des Forschergruppe Diabetes e.V.

Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten die Autoren die Daten von 234 Kindern im Alter von durchschnittlich zehn Jahren. Alle hatten mindestens einen erstgradigen Verwandten mit entweder Typ-1- oder Schwangerschaftsdiabetes. Die Wissenschaftler erhoben stoffwechselbezogene Daten, Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) im Blut sowie Angaben zur körperlichen Aktivität der Kinder. Zudem wurde ein oraler Glukose-Toleranz-Test durchgeführt: Dabei wird der Blutzuckerspiegel nüchtern sowie zwei Stunden nach dem Trinken von 75 Gramm Glukose oder einer besser verträglichen Mischung aus kurzkettigen Kohlenhydraten – gelöst in Wasser – gemessen. Der Test gibt Auskunft darüber, wie gut der Stoffwechsel mit dem in großen Mengen zugeführten Zucker umgeht.*

Öfter mal das Smartphone zur Seite legen
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass moderate bis starke körperliche Aktivität der Risikokinder mit besseren Testresultaten einhergingen“, erklärt Erstautorin Kathrin Ungethüm (IDF), die ihre Masterarbeit im Fach Epidemiologie mit diesen Daten durchgeführt hat. „Zum einen wurde der zugeführte Zucker schneller wieder abgebaut. Zum anderen wiesen die aktiveren Kinder auch niedrigere Insulin- und C-Peptid-Spiegel auf.“ Die Forschenden werten es als gutes Zeichen, dass der Körper mit dem vorhandenen Hormon in der Lage ist, den Zucker zu verstoffwechseln. Wären die Werte für das Insulin und das gleichzeitig freigesetzte C-Peptid erhöht, ließe das darauf schließen, dass der Stoffwechsel überfordert ist und versucht, das durch erhöhte Hormonmengen auszugleichen.

Vor allem konnten die Autoren zeigen, dass sich die Wirkung des Hormons Insulin (Insulinsensitivität) durch körperliche Aktivität signifikant verbesserte. Das könne indirekt bedeuten, dass Sport als Therapie auch bei Typ-1-Diabetes hilfreich sein könnte und die Betazellen entlastet. Keine Zusammenhänge ergaben sich hingegen für den Body-Mass-Index, den Blutdruck oder die Entzündungsbotenstoffe.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bewegung sich auch bei Kindern mit einer genetischen Vorbelastung für Typ-1-Diabetes sehr positiv auf den Stoffwechsel auswirkt“, erklärt Studienleiterin Anette-Gabriele Ziegler. „Aus diesem und vielen anderen Gründen könnte es sich also durchaus lohnen, hin und wieder das Smartphone zur Seite zu legen und gemeinsam vor die Tür zum Spielen zu gehen.“

Weitere Informationen
* Mehr zum oralen Glukose-Toleranz-Test und zum Thema Diabetes allgemein erfahren Sie auf den Seiten des Diabetesinformationsdiensts: www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de

Hintergrund:
Die Studie wurde maßgeblich gefördert durch die Deutsche Diabetesstiftung: www.diabetesstiftung.de